Risikofaktoren im Unternehmensanleihenmarkt
Ein Team um Mohammad Ghaderi von der University of Kansas hat untersucht, welche Risikofaktoren die Querschnittsrenditen von Corporate Bonds erklären. Die Autoren zeigen, dass bisherige Befunde, wonach kaum Risiken in Unternehmensanleihen bepreist sind, auf die kurzen Stichproben früherer Studien zurückzuführen sind. Hierzu haben sie eine Datenbank von US-Unternehmensanleihen für den Zeitraum 1895 bis 2022 aufgebaut, basierend auf handgesammelten Kursen aus drei Archivquellen und ergänzt um bestehende Datensätze. Die resultierende Datenbank umfasst rund 110.000 Anleihen und 8 Millionen Beobachtungen.
Die historischen Zeitreihen von Anleiherenditen und Credit Spreads zeigen, dass die Große Depression mit Abstand die ausgeprägtesten Marktverwerfungen hervorrief mit Spreads von über 8%, gefolgt von der Finanzkrise 2008, und dass diese historischen Muster über alle Datenquellen hinweg konsistent sind.
Quelle: Ghaderi, Plante, Roussanov, Seo, 2025
Die Autoren konstruieren einen Bond-Marktfaktor zur Erfassung des systematischen Risikos von Unternehmensanleihen analog zum CAPM als wertgewichteten Durchschnitt der Überschussrenditen. Über den gesamten Zeitraum ergibt sich eine annualisierte Risikoprämie von 4,49% bei einer Sharpe Ratio von 0,58, vergleichbar mit dem Aktienmarkt. Portfolio-Sortierungen nach dem Markt-Beta belegen, dass der Bond-Marktfaktor im Querschnitt signifikant bepreist ist: Das Long/Short-Portfolio zwischen dem am stärksten und dem am schwächsten exponierten Quintil weist statistisch signifikante positive Durchschnittsrenditen auf.
Im nächsten Schritt wird untersucht, ob über den Marktfaktor hinausgehende Faktoren bepreist werden. Mittels eines zweistufigen Fama-MacBeth-Verfahrens wird gezeigt, dass Anleihenfaktoren wie Abwärtsrisikofaktor und der Kreditrisikofaktor im Gegensatz zu anderen Forschungsarbeiten mit kürzerem Sample einen hochsignifikanten Einfluss ausüben. Dies deutet darauf hin, dass die frühere Insignifikanz auf mangelnde statistische Power zurückzuführen ist. Analog ist dies beim Aktienmarktfaktor, Size und Value sowie bei drei nicht-gehandelte Makro-Faktoren.
Quelle: Ghaderi, Plante, Roussanov, Seo, 2025
Die Ergebnisse lösen ein zentrales Puzzle der bisherigen Forschungsliteratur: Wenn ein Faktor systematisches Risiko erfasst und im Aktienmarkt bepreist ist, warum sollte er es im Anleihenmarkt nicht sein? Die Studie zeigt, dass er es tatsächlich ist, die frühere Insignifikanz war schlicht ein Artefakt kurzer Stichproben.
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