Nur ein Teil der Zinsbewegungen treibt Aktienbewertungen
Nur die reine Veränderung des Diskontierungssatzes bei Zinsänderungen wirkt direkt auf die Bewertung von Aktien, zeigt ein Research Paper von Niels Gormsen (Copenhagen Business School) und Eben Lazarus (University of California). Langfristig besteht kein klarer Zusammenhang zwischen Veränderungen von Zinsen und Aktienbewertungen („Stock–Yield Disconnect“). Die Autoren entwickeln eine Zerlegung von Realzinsbewegungen in drei Komponenten: erwartetes Wachstum, Risiko (Unsicherheit) und „Pure Discounting“, wobei Letzteres die Veränderung der reinen Diskontierungsrate (Zeitpräferenz) darstellt.
Die empirische Analyse basiert auf einem internationalen Panel von entwickelten Volkswirtschaften, dessen Kern die G7-Länder im Zeitraum 1990 bis 2023 bilden. Es zeigt sich, dass ein Großteil der langfristigen Bewertungsänderungen durch die Pure-Discounting-Komponente erklärt wird. Diese erklärt etwa 80 % der Bewertungsänderungen in den G7-Ländern. Für die USA wird geschätzt, dass nur rund 35 % des Rückgangs des langfristigen Realzinses auf Pure Discounting zurückzuführen sind. Der verbleibende Anteil ist auf Wachstum und Risiko zurückzuführen, sodass eine vollständige Durchleitung von Zinsänderungen auf Aktienbewertungen die Effekte deutlich überschätzen würde.

Quelle: Gormsen, Lazarus, 2026
Auf kurzfristigerer Ebene, also bei der Betrachtung von periodischen Veränderungen von Zinsen und Aktienrenditen anstelle langfristiger Entwicklungen, zeigt sich ein konsistentes Bild: Nur Veränderungen im Pure-Discounting-Anteil der Zinsen gehen mit einer klaren negativen Beziehung zu Aktienrenditen einher, woraus eine implizite Aktien-Duration von rund 20 Jahren geschätzt wird. Zinsänderungen, die auf veränderte Wachstumserwartungen zurückzuführen sind, zeigen hingegen keinen signifikanten Zusammenhang mit Aktienrenditen, während durch Unsicherheit getriebene Zinsbewegungen sogar positiv mit Aktienrenditen korrelieren. Im Querschnitt reagieren Aktien mit langer Cashflow-Duration entsprechend stärker auf Pure-Discounting-Schocks, während sich gegenüber allgemeinen Zinsbewegungen keine systematischen Unterschiede zeigen.
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