16.11.2020 | Research

Renditeanomalien und Prognosefähigkeit von Investorengruppen

David McLean von der Georgetown University sowie Jeffrey Pontiff und Christopher Reilly vom Boston College haben in einem Researchpaper untersucht, wie verschiedene Investorengruppen ihre Portfolios gegenüber 130 bekannten Marktanomalien positionieren. Unterschieden werden Privatanleger, Unternehmen, die in ihre eigenen Aktien investieren, sowie verschiedene Arten institutioneller Investoren. Die Autoren sortieren für jede der 130 untersuchten Anomalien jeweils alle Aktien basierend auf ihrem Anomalie-Exposure (z.B. Momentum). Die 20 % der Aktien mit dem jeweils höchsten/niedrigsten Exposure werden als Long- bzw. Short-Portfolio der Anomalie definiert. Für jede Aktie wird anschließend ein aggregierter Score ermittelt, der zählt, bei wie vielen Anomalien die Aktie Teil des Long- und des Short-Portfolios ist.

Zunächst wird untersucht, wie sich die Portfolioholdings der Investorentypen vor Zuordnung der Aktien in die Anomalien entwickeln. Bei einem bis drei Jahren Vorlauf sind Short Seller und Unternehmen, die mit eigenen Aktien handeln, die einzigen Investorentypen, die sich zu den Anomalien korrekt positionieren: Unternehmen, die ex-post zu dem Short-Portfolio gehören werden, emittieren die meisten neuen Aktien, während Short-Investoren ihr Engagement bei den später zum Short-Portfolio gehörenden Aktien erhöhen und ihr Engagement in den späteren Long-Aktien zurückfahren. Privatanleger verhalten sich genau gegensätzlich, während bei den institutionellen Investorengruppen (mit Ausnahme der „sonstigen“) keine robuste Ausrichtung in die eine oder andere Richtung feststellbar ist.


Quelle: McLean, Pontiff, Reilly, 2020

Ähnlich lauten die Ergebnisse, wenn die Portfoliozusammensetzung der Investorengruppen bezüglich künftiger Aktienrenditen betrachtet wird: Unternehmen sowie Leerverkäufer gehen jeweils Positionen ein, die mit höheren Ex-post-Renditen einhergehen. Retail-Investoren erwerben dagegen verstärkt die Aktien, die später geringere Renditen erwirtschaften werden. Institutionelle Trades sind kein verlässlicher Indikator künftiger Aktienrenditen – Ausnahme hierbei sind Banken, die sich wie Privatanleger bei den meisten Spezifikationen in die falsche Richtung positionieren.


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