Regulierung der OTC-Derivatemärkte
Seit dem Beginn der Finanzkrise sind die Derivatemärkte ins Blickfeld der Politik gerückt. Als vermutliche Quelle von Volatilität und systemischen Risiken sollen insbesondere die OTC-Märkte stärker reguliert werden. In einer Studie von DB Research wird auf den aktuellen Stand der Derivatemarktreformen sowie bereits erkennbare Konsequenzen eingegangen. Zielsetzung der Reformen ist es grundsätzlich, den bislang weitgehend dezentralen OTC-Handel auf zentrale Clearingstellen (CCP) zu verlagern, um so Informationsasymmetrien abzubauen. Zudem sollen ein Transaktionsregister geschaffen, sowie die Kapitalanforderungen für dezentrale Geschäfte erhöht werden. In Europa werden diese internationalen Vereinbarungen durch die Verordnung über die europäische Marktinfrastruktur (EMIR) und die überarbeitete Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID 2) umgesetzt. Während hier die Implementierung erst noch erfolgen muss, ist man in den USA bereits einen Schritt weiter.
Quelle: DB Research
Per Ende 2012 betrug das Gesamtvolumen des OTC-Derivatemarktes 633 Billionen US-Dollar, davon machen mit 77 % Zinsderivate den größten Anteil aus. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass selten die vollen Nominalbeträge ausgezahlt werden, so dass der Bruttomarktwert ein aussagekräftigerer Indikator ist. Mit einem Rückgang von 33 % gegenüber dem Wert von 2008 beträgt dieser aktuell 23 Billionen US-Dollar. Bei Verrechnung sich gegenseitig aufhebender Positionen verbleiben noch 3,6 Billionen US-Dollar an realen Risiken für die Beteiligten. In den letzten Jahren ist das Gesamtvolumen des OTC-Derivatemarktes tendenziell gesunken, was nicht über einen Anstieg der börsengehandelten Produkte kompensiert wurde, wobei parallel der Anteil der über CCP abgewickelten Derivate angestiegen ist. Dennoch steht diese Entwicklung noch am Anfang.
Quelle: DB Research
Zum Ende der Studie werden verschiedene Auswirkungen der neuen Regularien kritisiert. So erhöhen sich nach Ansicht der Autoren durch die Verlagerung des Handels zu den zentralen Clearingstellen die Kosten des Derivatehandels, während die CCP gleichzeitig zu einer neuen Quelle systemischen Risikos im Falle einer Insolvenz werden.