11.06.2019 | Recht

Regulatorische Veränderungen der Versicherungsbranche

Europäischen Versicherern stehen einige regulatorische Veränderungen bevor, die Invesco in einer kurzen Analyse beschreibt. Ein zentrales Thema ist die derzeit laufende Überprüfung der aufsichtsrechtlichen Regelungen für Versicherer unter Solvency II. Dabei geht es vor allem um den Beitrag der Versicherer zur Finanzierung der Realwirtschaft und deren Rolle bei der Finanzierung einer nachhaltigen Entwicklung.

Die Internationale Vereinigung der Versicherungsaufsichtsbehörden (IAIS) arbeitet an neuen Standards zu systematischen Risiken im Versicherungssektor. Die vorgeschlagenen aufsichtsrechtlichen Instrumente umfassen Maßnahmen zur Begrenzung der Risikokumulation, verstärkte aufsichtsrechtliche Interventionsmöglichkeiten bei eingetretenen Risiken und ein jährliches globales Risikomonitoring durch die IAIS. Erwartet wird, dass die neuen Standards im November 2019 verabschiedet und 2020 umgesetzt werden. An die IAIS-Instrumente anknüpfend hat der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) ebenfalls mehrere Verbesserungen des europäischen Regelwerks erarbeitet. Hierunter fallen z.B. zusätzliche Eigenkapitalanforderungen und Dividendenbeschränkungen, symmetrische Kapitalanforderungen für zyklische Risiken sowie Liquiditätsanforderungen. Obwohl erst in ein paar Jahren mit konkreten Änderungen zu rechnen ist, sollten sich die Versicherer schon jetzt auf kritischere Prüfungen ihrer Liquiditätsrisikomanagement-Systeme einstellen.

Die IAIS hat ebenfalls untersucht, wie Versicherer und Aufsichtsbehörden mit Nachhaltigkeits- und Klimarisiken umgehen können. Ein Ansatz ist die Bewertung des Portfoliorisikos anhand des Anteils CO2-intensiver Unternehmen und die Durchführung von Szenarioanalysen und Stresstests zu Klimafaktoren. In Europa werden hierzu bereits folgende Aspekte diskutiert: ein einheitliches Klassifikationssystem im Bereich nachhaltiger Finanzierung, die Offenlegung von Nachhaltigkeitsrisiken sowie Anpassungen an Solvency II zur Integration von Nachhaltigkeitsrisiken und -faktoren.



Weitere Veränderungen dürfte auch die aktuelle Evaluierung des Solvency-II-Regelwerks (Review 2018) bringen. Die Autoren gehen davon aus, dass hier vor allem die Berechnung des Eigenkapitalbedarfs und neue Anlagemöglichkeiten in nicht geratete Schuldinstrumente und Eigenkapitalinstrumente betroffen sind.


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