Reaktionen der Marktteilnehmer auf Krisennachrichten
Die niederländische Zentralbank untersucht in einem Working Paper, das Ende Januar veröffentlicht wurde, die Reaktionen der Aktienkurse von 48 europäischen Kreditinstituten auf Nachrichten zu Griechenland und einem möglichen Bailout durch die Euro-Staaten und den Währungsfonds. Die beiden Autoren Jakob de Haan und Mark Mink betrachten die Entwicklung der 10-jährigen griechischen Staatsanleihe in 2010 und identifizieren die 20 Handelstage mit den größten Kursänderungen. Anhand des Reuters-Nachrichten-Tickers ordnen sie den Handelstagen die Griechenland-relevanten Nachrichtenereignisse zu. Sie trennen die Nachrichten dabei in Bailout-relevante und Bailout-irrelevante Ereignisse. Die daraufhin durchgeführte Ereignisstudie kommt zu dem Ergebnis, dass lediglich Nachrichten zu einem möglichen Bailout zu abnormalen Kursbewegungen der Aktien der betrachteten 48 Institute führen. Neu ist unter anderem die Erkenntnis, dass alle Banken gleichermaßen betroffen sind - unabhängig davon ob sie selbst griechische Anleihen halten oder nicht.
Quelle: de Haan, Mink (2012)
Demnach haben Nachrichten zur griechischen Konjunktur keinen signifikanten Einfluss auf den durchschnittlichen Marktwert der Banken in der Stichprobe, wohl aber auf die Kurse von portugiesischen, irischen und spanischen Staatsanleihen. Dagegen beeinflussen Nachrichten zu einem (möglichen) Bailout Griechenlands die Aktienkurse der Banken signifikant. Einer Veränderung des Marktwerts der 10-jährigen griechischen Anleihe infolge eines Bailout-relevanten Ereignisses um 1 %, folgt im Durchschnitt eine Marktwertanpassung aller betrachteten Institute um 0,124 % in der gleichen Richtung. Die Autoren weisen dem Bailout damit eine insgesamt stabilisierende Wirkung nach, da die Marktteilnehmer Nachrichten zu einem potenziellen Bailout offenbar als Bereitschaft der Politik auffassen, den Finanzsektor vom Marktwertverlust der Staatsanleihen abzuschirmen.