Private-Credit-Fonds strukturell weniger fragil als traditionelle Banken
In den vergangenen Jahren hat sich die Kreditvergabe zunehmend von traditionellen Banken hin zu Private-Credit-Fonds verlagert. Vor diesem Hintergrund untersuchen Gregor Matvos, Tomasz Piskorski und Amit Seru vom NBER, ob Private Credit ähnliche Verwundbarkeiten wie das Bankensystem aufweist. Zur Analyse werden Daten zu rund 1.300 US-Private-Credit-Fonds und knapp 9.000 Kreditpositionen aus den Jahren 2000 bis 2024 verwendet, die etwa 60 bis 70 % des US-Marktes abdecken.
Private-Credit-Fonds weisen hohe Eigenkapitalquoten auf. Über alle Fonds hinweg liegt die durchschnittliche Eigenkapitalquote bei 85%, Fonds mit Kreditliniennutzung finanzieren im Durchschnitt rund zwei Drittel ihrer Vermögenswerte mit Eigenkapital. Im Vergleich dazu beträgt die Eigenkapitalquote von US-Banken nur rund 12%. Kreditlinien werden überwiegend zur kurzfristigen Liquiditätssteuerung genutzt. Distressed-, Mezzanine- und Immobilienstrategien arbeiten zwar mit etwas niedrigeren Eigenkapitalquoten, bleiben aber deutlich stärker kapitalisiert als Banken.
Quelle: Matvos, Piskorski, Seru
Die Fonds investieren breit über Strategien, Branchen und Regionen hinweg. Auch geografisch besteht eine breite Streuung der Investments innerhalb der USA. Dies begrenzt die Exponierung gegenüber einzelnen Branchen- oder Regionalschocks. Gleichzeitig bestehen kaum Fristentransformationen, da die Laufzeiten der Fonds mit durchschnittlich 11,6 Jahren meist länger sind als die Laufzeiten der vergebenen Kredite. Im Unterschied zu Banken finanzieren die Fonds ihre Kreditengagements somit nicht über kurzfristig abziehbare Verbindlichkeiten. Entsprechend besteht ein niedriges Risiko klassischer Liquiditätskrisen. Die durchschnittlichen annualisierten Nettorenditen der Fonds liegen bei etwa 9 bis 10%, während starke negative Ergebnisse vergleichsweise selten bleiben. Verluste werden überwiegend innerhalb der Eigenkapitalschicht absorbiert und gehen nur begrenzt auf Gläubiger über.
Quelle: Matvos, Piskorski, Seru
Im Fazit wird festgehalten, dass Private-Credit-Fonds derzeit strukturell deutlich weniger fragil erscheinen als traditionelle Banken. Hohe Eigenkapitalquoten, geringe Fristentransformation, langfristige Finanzierung und breite Diversifikation begrenzen das Risiko systemischer Instabilität. Offen bleiben jedoch Fragen zum Verhalten des Sektors in schweren Krisen, zu möglichen Ansteckungseffekten, Bewertungs- und Transparenzproblemen sowie zur regulatorischen Einordnung der zunehmenden Verlagerung von Kreditintermediation außerhalb des Bankensektors.
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