Benchmarknahes Investieren und die Folgen für Unternehmensinvestitionen
Benchmarkgebundene Kapitalflüsse erhöhen die gemessenen CAPM-Betas vieler Unternehmen und führen dadurch zu einer höheren wahrgenommenen Eigenkapitalkostenrate, was Investitionen reduziert, zeigt eine Studie von Christian Kontz und Sebastian Hanson von Stanford. Die Autoren untersuchen anhand von US-Unternehmen und Aktienmarktdaten für den Zeitraum 1998 bis 2018, wie sich die zunehmende Bedeutung benchmarkorientierter Kapitalallokation durch passive Fonds und benchmarknahe aktive Manager auf Unternehmensentscheidungen auswirkt. Hierzu kombinieren sie Daten zur Benchmarking Intensity (BMI), die den Anteil benchmarkgebundener Eigentümer misst, mit Aktienmarkt- und Unternehmensdaten.
Die Analyse zeigt, dass Unternehmen mit höherer BMI systematisch höhere CAPM-Betas aufweisen. Ein exogener Anstieg der BMI um 10 Prozentpunkte erhöht die CAPM-Betas um etwa 0,25 beziehungsweise die CAPM-basierten Eigenkapitalkosten um rund 150 Basispunkte. Die Autoren identifizieren diesen Effekt mithilfe von Rekonstitutionen der Russell-Indizes, die zu quasi-exogenen Veränderungen der Benchmarkzugehörigkeit führen. Die höheren Betas sind nicht auf Veränderungen fundamentaler Risiken oder der Kapitalstruktur zurückzuführen, sondern auf stärkere gemeinsame Kursbewegungen benchmarkgebundener Aktien.
Quelle: Kontz, Hanson, 2026
Manager interpretieren diese höheren Betas als höhere Eigenkapitalkosten und passen ihre Investitionsentscheidungen entsprechend an. Unternehmen mit höherer BMI investieren weniger, reduzieren immaterielle Investitionen und Akquisitionen und weisen niedrigere Nettoaktienemissionen auf. Besonders stark fallen die Effekte bei Unternehmen aus, die stärker auf Eigenkapitalfinanzierung angewiesen sind oder kapitalrenditebasierte Vergütungssysteme verwenden.
Quelle: Kontz, Hanson, 2026
Darüber wird gezeigt, dass benchmarkinduzierte Veränderungen der CAPM-Betas auch die Kapitalkostenschätzungen von Analysten und Regulierern beeinflussen. Auf Branchen- und Ebene des Gesamtmarktes führen die Effekte laut Studie ebenfalls zu geringerer Kapitalakkumulation und niedrigeren Gesamtinvestitionen.
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