17.03.2026 | Research

Preisbildung im Primärmarkt für Unternehmensanleihen

Höhere Nachfrageelastizität ist im Corporate-Bond-Markt systematisch mit niedrigerem Underpricing, engeren Emissionsspreads und kleineren Orderbüchern verbunden, zeigt ein Research Paper von Edith Hotchkiss (Boston College), Liying Wang (University of Nebraska-Lincoln) und Yijia Zhao (University of Massachusetts-Boston). Die Autoren entwickeln ein modellfreies Maß der Nachfrageelastizität auf Bond-Ebene, das auf Bookbuilding-Daten basiert und zwei beobachtbare Preis-Mengen-Punkte der Nachfragekurve nutzt (Peak-Book und finales Orderbuch). Die empirische Analyse basiert auf einer Stichprobe von 2.955 Investment-Grade-Unternehmensanleihen in US-Dollar für den Zeitraum 2019 bis 2023. 

Für den gesamten Zeitraum ergibt sich eine durchschnittliche yield-basierte Nachfrageelastizität von 78,96 und eine preisbasierte Elastizität von 12,95. Die Elastizität variiert systematisch mit Marktbedingungen und Anleihecharakteristika, ist etwa niedriger in Phasen erhöhter Unsicherheit, (z.B. der Corona-Krise), oder bei schlechteren Ratings sowie bei größeren Emissionsvolumina. 


Quelle: Hotchkiss, Wang, Zhao, 2026

Im nächsten Schritt werden die Zusammenhänge zwischen Nachfrageelastizität und Emissionsergebnissen analysiert. Eine Erhöhung der Nachfrageelastizität um eine Standardabweichung reduziert das Underpricing im Durchschnitt um 1,27 Basispunkte. Gleichzeitig führt eine höhere Elastizität zu niedrigeren initialen und finalen Offering-Spreads sowie zu kleineren Orderbüchern. Diese Ergebnisse zeigen, dass die Elastizität der Investorenachfrage eine wichtige Rolle für das Verhalten der Underwriter während des Bookbuilding-Prozesses spielt.

Abschließend untersuchen die Autoren den Zusammenhang zwischen Investorenstruktur und Nachfrageelastizität. Die Ergebnisse zeigen einen positiven Zusammenhang zwischen dem Anteil von Versicherungen an den Investoren und der Nachfrageelastizität, während für Mutual Funds kein robuster Zusammenhang festgestellt wird. Insgesamt zeigt das Paper, dass Nachfrageelastizität ein zentraler Faktor für die Preisbildung im Primärmarkt für Unternehmensanleihen ist und mit geringerem Underpricing sowie niedrigeren Offering-Spreads verbunden ist.


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