24.06.2025 | Research

Ökonomische Grundlagen klassischer Fama-French-Faktorprämien

Viktoria Klaus und Julian Thimme vom Karlsruhe Institute of Technology untersuchen die fundamentalen Treiber hinter den bekannten Fama-French-Faktoren. Ziel ist es, die bislang weitgehend theoretisch motivierten Faktoren durch empirisch belegte ökonomische Nachrichtenereignisse besser zu verstehen. Hierzu werden Tage mit besonders hohen Faktorrenditen im Zeitraum 1963 bis 2022 identifiziert und die Zeitungsartikel des folgenden Tages (New York Times) analysiert, um die zugrundeliegenden ökonomischen Ereignisse zu kategorisieren. Die drei häufigsten Ursachen für große Faktorbewegungen sind makroökonomische Nachrichten, Geldpolitik sowie Nachrichten zu den Earnings einzelner Unternehmen und Branchen. 



Quelle: Klaus, Thimme, 2025


Für jede Nachrichtenart wird ein eigener Themenfaktor erstellt. Dazu nutzen die Autoren acht Portfolios, die typische Merkmale wie Size oder Value abbilden. An Tagen, an denen eine bestimmte Nachricht dominiert, analysieren sie, wie diese Portfolios reagieren, und leiten daraus mithilfe einer Hauptkomponentenanalyse ein gemeinsames Muster ab. So entstehen Themenfaktoren, die zeigen, wie stark und in welcher Richtung der Markt auf bestimmte ökonomische Inhalte reagiert – nicht auf Basis theoretischer Annahmen, sondern auf Grundlage tatsächlicher Marktbewegungen.

Es zeigt sich, dass Value stark mit makroökonomischen Themen korreliert, was für eine risikobasierte Erklärung des Faktors spricht. Investment hängt dagegen mit Nachrichten zu Rohstoffen zusammen, insbesondere Öl. Sowohl für Size als auch Profitability ist die Interpretation weniger eindeutig. Bei Size ist zum einen eine starke Korrelation mit Nachrichten zu den Wechselkursen zu erkennen, zum anderen besteht ein deutlicher Einfluss des „Unknown“-Faktors, der auf marktpsychologische Bewegungen (z. B. Flight-to-Quality) verweist. Investment wird hauptsächlich von Schocks beeinflusst, die einzelne Unternehmen oder Sektoren betreffen. Dies umfasst regulatorische oder verteidigungspolitische Ereignisse.

Im Fazit halten die Autoren fest, dass sowohl risiko- als auch verhaltensbasierte Aspekte zur Erklärung von Faktorprämien beitragen. Während Value und Investment gut durch ökonomische Risikofaktoren erklärt werden können, deutet Profitability stärker auf verhaltensbedingte Preisabweichungen hin. Size wird von beiden Seiten beeinflusst. 


Absolut Research analysiert institutionelle Publikumsfonds mit Smart-Beta- und Factor-Investing-Strategien jeden Monat in den Publikationen Absolut|ranking Smart Beta Equity und Smart Beta Fixed Income & Commodity. Insgesamt analysiert Absolut|ranking mehr als 16.000 aktive und passive Strategien von 2.000 Asset Managern, aufgeteilt auf 36 Assetklassen und Marktsegmente sowie mehr als 200 Universen. Individuelle Mandate und Spezialfonds können ebenfalls untersucht werden.

Abonnenten von Absolut Research können weiterführende Informationen hier herunterladen:
Mehr zum Thema "Factor Investing"
zurück