27.10.2025 | Research

Modell für Real-World-Impact von nachhaltigen Anlagestrategien

Nachhaltige Anlagestrategien entfalten realwirtschaftlich produktive Wirkung, wenn sie die Finanzierungskosten von Unternehmen an deren Energie- und Emissionsintensität koppeln, statt pauschal Kapital abzuziehen, zeigt ein wissenschaftliches Paper der ZHAW School of Management and Law. Die Autoren Boos und Meyer zeigen, dass bedingte Strategien wie Footprint-Ansätze – also eine Verknüpfung der Kapitalkosten mit der relativen Energieeffizienz eines Unternehmens – ökonomisch wie eine implizite CO2-Steuer wirken und Emissionen eindeutig senken. Dagegen können Divestment-Strategien, die allein über eine Verteuerung des Kapitals wirken, kontraproduktive Effekte haben: Wenn Kapital und Energie im Produktionsprozess substituierbar sind, führt eine höhere Kapitalrenditeanforderung dazu, dass Unternehmen Kapital durch Energie ersetzen und damit ihre Emissionen erhöhen.

Das entwickelte partielle Gleichgewichtsmodell beschreibt Unternehmen, die mit den Produktionsfaktoren Kapital und Energie produzieren, und untersucht, wie sich Änderungen der relativen Faktorpreise auf Output und Emissionen auswirken. Entscheidend ist die Elastizität der Substitution zwischen Kapital und Energie. Ist sie gering, wirken Kapital- und Energieeinsatz komplementär, sodass steigende Kapitalkosten zu einem gleichgerichteten Rückgang beider Faktoren und damit zu niedrigeren Emissionen führen. Bei hoher Substituierbarkeit dagegen dominiert der Substitutionseffekt, wodurch der Energieeinsatz steigt, wenn Kapital teurer wird.

Conditioning-Strategien vermeiden diese Fehlanreize, indem sie über die Preisbildung eine Verschiebung der wahrgenommenen Kosten bewirken: Unternehmen internalisieren zusätzliche Energiekosten, nicht höhere Kapitalkosten. Die Autoren zeigen, dass dies in allen Fällen – unabhängig von der Produktionselastizität – zu geringeren Emissionen führt. Der Mechanismus lässt sich auch auf andere externe Effekte übertragen, etwa Arbeitsbedingungen, und bleibt robust, wenn weitere Produktionsfaktoren wie Arbeit berücksichtigt werden.

Für Investoren folgt daraus, dass der reale Einfluss nachhaltiger Anlagen von der Berücksichtigung der Faktormobilität abhängt. Bedingte Strategien, etwa Nachhaltigkeitsverknüpfungen bei Krediten oder Anleihen, sind wirkungsvoller als pauschale Ausschlüsse. Divestment kann nur dort sinnvoll sein, wo Produktionsfaktoren kaum austauschbar sind. Regulierung und Klassifizierung nachhaltiger Investments sollten daher stärker auf glaubwürdige Transformationspfade und zukünftige Anpassungsfähigkeit von Unternehmen abstellen, statt auf statische Emissionsniveaus.


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