11.10.2011 | Research

Mikro- und Makroökonomische Effekte von Basel III

Die Landesbank Baden-Württemberg gibt in einer kurzen Publikation einen Überblick über den Stand der akademischen Literatur in Bezug auf die Effekte höherer Eigenkapitalanforderungen auf Finanzsystem und Realwirtschaft.

Banken, die den neuen Eigenkapitalanforderungen noch nicht gerecht werden, sind dazu gezwungen ihr Eigenkapital relativ zu ihren Aktiva zu erhöhen. Um sicherzustellen, dass Banken auf die neuen Regularien mit einer Erhöhung des Eigenkapitals und nicht mit einer Verkürzung der Bilanz reagieren, ist eine ausreichend lange Anpassungszeit notwendig. Mit einer Reduktion der Aktiva ist ein Rückgang der Kreditvergabe verbunden, der sich negativ auf die Realwirtschaft auswirken würde. Eine zitierte Studie von Roger und Vicek (2011) unterstellt eine Anpassungszeit von zwei Jahren, in denen die Eigenkapitalanforderungen linear um 2 % erhöht werden, und umfasst vier verschiedene Szenarien.


Quelle: LBBW (2011)

Im ersten Szenario erhöht die Bank ihr Eigenkapital, indem durch reduzierte Dividendenzahlungen Gewinne einbehalten werden. Das zweite Szenario umfasst höhere Kreditzinsen, deren Mehreinnahmen nicht ausgeschüttet, sondern einbehalten werden. Die Szenarien drei und vier beschreiben die Effekte einer Bilanzverkürzung. Die größte Output-reduzierende Wirkung mit -1,3 % ergibt sich im vierten Szenario, in dem Banken ihre Aktiva unabhängig vom Risikogewicht abbauen. Kumuliert über den Simulationszeitraum ergibt sich ein Rückgang von 4 %. Findet eine Reduzierung relativ zu den risikogewichteten Aktiva statt (drittes Szenario), sinkt der Output kumuliert um 2,5 %.

Die Autoren kommen insgesamt zu dem Schluss, dass die langfristigen negativen Auswirkungen des Basel III-Maßnahmen kein zu hoher Preis für eine Erhöhung der Stabilität des Finanzsystems wäre. Sie betonen allerdings, dass die vorgestellten Simulationsstudien wesentlich von den zugrundeliegenden Annahmen und dem makroökonomischen Umfeld abhängen. Marginale negative Effekte sind in einem schwachen Makro-Umfeld sehr schnell nicht mehr marginaler Natur.

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