IWF prognostiziert schwächeres Wachstum und steigende Risiken
Der Internationale Währungsfonds äußerst sich in seinem am 20. September vorgelegten World Economic Outlook besorgt um die globale Konjunkturentwicklung. War der Report im vergangenen Jahr noch betitelt mit "Recovery, Risk & Rebalancing", ist die diesjährige Ausgabe mit "Slowing Growth, Rising Risk" überschrieben. Dabei sehen Chef-Volkswirt Olivier Blanchard und sein Team für die wirtschaftliche Erholung vor allem zwei Gefahren. Während sich in Europa die Euro-Krise "über die Kontrolle der Politik hinaus" zu entwickeln droht, schwächt auch in den Vereinigten Staaten die konjunkturelle Entwicklung zunehmend ab.
Für den Euroraum fordert der IWF daher eine Stärkung der Befugnisse des Rettungsfonds EFSF, um die Verbindung zwischen schwachem Finanzsektor und der Zahlungsfähigkeit der öffentlichen Hand zu brechen. Die Zukunft der Eurozone ist zudem in hohem Maße von den Entwicklungen in Italien abhängig, dessen Wachstum in 2012 nur mit 0,3 % prognostiziert wird. Auch in Deutschland rechnet der Währungsfonds mit einer abschwächenden Konjunktur von nur noch 1,3 % im nächsten Jahr.
Quelle: IMF (2011)
In einem empirischen Ansatz schätzen die Autoren das Risiko eines "double dips" in Frankreich, Japan, den USA und Großbritannien anhand der historischen Entwicklung der Aktienmärkte seit 1970. Große Wertverluste sind demnach Indikatoren für das gestiegene Risiko eines erneuten Wirtschaftsabschwungs. Die historische Wahrscheinlichkeit einer neuen Rezession im dritten Quartal 2011 beträgt dem Modell zufolge in Frankreich und Großbritannien rund 3,5 %, in den USA etwa 4,5 %. Unterstellt man jedoch, dass sich die jüngste Entwicklung der Aktienmärkte auch im dritten Quartal 2011 fortsetzt, steigt die Gefahr einer erneuten Rezession in Frankreich und Großbritannien um das 5-fache auf etwa 17 %, in den USA sogar um das 8-fache auf 38 %. In Japan dagegen verändert sich die Wahrscheinlichkeit nicht.
Quelle: IMF (2011)
Insgesamt fordert der Währungsfonds sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten eine entschlossenere Antwort der Wirtschaftspolitik, ansonsten drohe eine unruhige Erholung und ein verlorenes Jahrzehnt mit schwachem Wirtschaftswachstum.