Marktentwicklung und Investmentumfeld in Südkorea
Trotz des über die letzten Jahre durchgängig hohen Leistungsbilanzüberschusses in Korea hat dessen Währung auf ein 13-Jahres-Tief abgewertet. Die Bank of Korea ist zu dem Ergebnis gekommen, dass dies auf den Abfluss koreanischer Ersparnisse ins Ausland zurückzuführen ist, die den Handelsüberschuss überwiegen. Ashmore stimmt in einer Analyse diesem Kernergebnis zu, erweitert die Argumentation jedoch um mehrere Aspekte.

Quellen: Ashmore, BoK, BIS
Erstens wird die langfristig schwache Entwicklung des koreanischen Aktienmarktes aufgeführt, die die Anleger dazu veranlasst hat, verstärkt im Ausland zu investieren. Der KOSPI legte von 2007 bis 2024 nur um annualisiert 1 % zu. Ursachen hierfür sind u.a. komplexe Beteiligungsstrukturen, Interessenkonflikte zwischen kontrollierenden Familien und Minderheitsaktionären sowie hohe Steuern auf Erbschaften und Dividenden. Zweitens hat der nationale Pensionsfonds die Kapitalabflüsse verstärkt, weil er seine Anlagen nach dem Vorbild japanischer Pensionsreformen stärker ins Ausland verlagert hat. Drittens hat die Schwäche des japanischen Yens den koreanischen Won zusätzlich belastet, weil ein schwächerer Yen als Wechselkursanker für den Won wirkte und die relative Wettbewerbsfähigkeit koreanischer Exporte berührte.

Quellen: Ashmore, Bloomberg
Um diese Entwicklung zu verändern, setzt die südkoreanische Politik bei den Kapitalabflüssen und den Ursachen der schwachen Aktienmarktbewertung an. Der nationale Pensionsfonds hat seine Währungsabsicherung neu ausgerichtet. Aus einer Obergrenze von 10 % wurde eine strategische Absicherungsquote von 15 %, die als Untergrenze wirken soll. Parallel dazu sollen Kapitalmarktreformen den Bewertungsabschlag koreanischer Aktien verringern.
Neben diesen Reformen verweist die Analyse auf den Speicherchip-Zyklus als zusätzlichen Faktor, der den koreanischen Aktienmarkt wieder attraktiver machen könnte. Die starke Nachfrage aus dem KI-Ausbau verknappt das Angebot bei Speicherchips und verbessert die Gewinnperspektiven wichtiger koreanischer Indexwerte. Zusammen mit Kapitalmarktreformen, möglichen Rückflüssen koreanischer Anleger und einer schwächeren US-Währung sehen die Autoren deshalb die Grundlage für einen neuen koreanischen Aktienzyklus, der die bisherigen Kapitalabflüsse umkehren könnte.
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