01.05.2017 | Studie

Management von Carbon Risks

Das FERI Cognitive Finance Institute und der WWF haben in einer im Januar 2017 veröffentlichten umfangreichen Marktanalyse die Risiken untersucht, die sich aus dem im Rahmen des Pariser Klimaabkommens festgesetzten 2-Grad-Ziel für institutionelle Investoren ergeben können. Das 2-Grad-Ziel erfordert umfangreiche strukturelle Emissionsminderungen, die weitreichende Auswirkungen u.a. auf börsennotierte Energieunternehmen der Öl-, Kohle- und Gasbranche haben werden. Hieraus ergeben sich substanzielle Kohlenstoffrisiken, sog. Carbon Risks, die über Zweit- und Drittrundeneffekte auch weitere Branchen betreffen können.

Unterschieden wird zwischen Risiken durch die Carbon Bubble, Stranded Assets und den Transformationsprozessen in Richtung einer kohlenstoffarmen Wirtschaft.  


Quelle: FERI

Die Carbon-Bubble-Risiken werden voraussichtlich innerhalb der nächsten fünf Jahre auftreten, lassen sich gut erfassen und können durch ein aktives Risikomanagement deutlich verringert werden. Wird das Carbon Exposure zum Beispiel anhand verschiedener Länder-Indizes untersucht, fällt die hohe Gewichtung in Kanada (22,6 %), Italien (20,7%), Großbritannien (13,2 %) und den USA (7 %) und das damit existierende Risikopotenzial indexnaher Investments auf. Wird darauf aufbauend ein institutionellen Referenz-Portfolios zwei Szenarien zur CO2-Einpreisung ausgesetzt und die Wertentwicklung untersucht, können wahrnehmbare Verluste von bis zu 1,35 % eintreffen. Je nach Investments in zugehörige Unternehmensanleihen und der tatsächlichen Ländergewichtung kann sich der negative Effekt verdoppeln.  

Im Gegensatz zur Carbon-Bubble, sind die Risiken der Stranded-Assets nur schwer zu erfassen und dementsprechend bisher nur schwer händelbar. Die Risiken bzw. Unsicherheiten erstrecken sich auf weite Bereiche einer industriellen und öffentlichen Infrastruktur. Es empfiehlt sich daher, die Entwicklung rund um Klimaschutzziele und Klimaschutzmaßnahmen gut zu verfolgen. Ähnlich sind die Transformations-Risiken einzuschätzen. Auch wenn diese vorerst für Investoren keine direkten Risiken darstellen, sollten die politischen Umsetzungspläne dennoch im Auge behalten werden.

Für Investoren bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, Carbon-Risiken im Investmentprozess zu berücksichtigen. Neben dem klassischen Negativscreening (Divestment oder Reduktion der Allokation) und Positivscreening (Investments in emissionsarme Geschäftsfelder und Themen), können auch über Engagement-Aktivitäten Risiken verringert werden. Diese sollten mithilfe eines konkreten Umsetzungsprozesses, der kontinuierlich angepasst wird, in das Portfolio integriert werden.  


Quelle: FERI


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