15.12.2025 | Research

LLM-basierter Sentiment-Faktor im Aktienmarkt

Ein mithilfe von Large-Language-Models aus Finanztexten konstruierter High-Low-Sentiment-Faktor trägt signifikant zur Erklärung der Querschnittsrenditen von US-Aktien bei, zeigt ein Research Paper von Francesco Audrino und Jule Schüttler von der Universität St. Gallen sowie Fabio Sigrist von der ETH Zürich. Untersucht werden US-Aktien aus dem CRSP-Universum im Zeitraum 2012 bis 2019. Es werden drei Textquellen genutzt, um unterschiedliche Investorengruppen abzudecken: Earnings-Call-Transkripte von Seeking Alpha, Nachrichten-Headlines (und Subheadlines) von Bloomberg sowie Tweets von StockTwits. Ein zentrales methodisches Novum besteht darin, dass die Sentiment-Labels vollständig datengetrieben aus Kapitalmarktdaten abgeleitet werden und damit auf menschliche Annotation verzichtet wird; Sentiment-Analyse und Renditebezug werden so in einem einzigen, integrierten Schritt verknüpft.

Für das Sentiment-Labeling wird jedem Text die Überschussrendite des zugehörigen Unternehmens am nächsten Handelstag zugeordnet, bereinigt um die fünf Fama-French-Faktoren. Diese kontinuierlichen Werte werden in drei Klassen (low, middle, high) transformiert, basierend auf der täglichen Querschnittsverteilung. Die vorhergesagten Sentiment-Klassen werden auf Unternehmensebene täglich aggregiert. Daraus entstehen High- und Low-Sentiment-Portfolios. Zunächst wird geprüft, ob sich die Überschussrenditen der Portfolios unterscheiden. Für gleichgewichtete Portfolios zeigt sich, dass Low-Sentiment-Aktien signifikant negative Folgerenditen aufweisen, während High-Sentiment-Aktien keine positiven Folgerenditen liefern. Der High-Low-Unterschied ist dennoch positiv und signifikant zum Niveau von 1 %; bei wertgewichteten Portfolios verschwindet der Effekt.


Quelle: Audrino, Schüttler, Sigrist, 2024

Anschließend wird ein High-Low-Sentiment-Faktor konstruiert und in multifaktoriellen Regressionen getestet. Der Faktor weist ein signifikantes Alpha auf, auch unter Berücksichtigung der Fama-French-Fünf-Faktoren und des Momentum-Faktors. Abschließend wird eine Long/Short-Handelsstrategie analysiert. Die Ergebnisse zeigen eine durchschnittliche annualisierte Rendite von 35,6 % bei einer Sharpe Ratio von 2,2 und bleiben auch nach Abzug der Transaktionskosten profitabel. Die Ertragskraft der Strategie stammt dabei nahezu vollständig aus der Short-Position in niedrigen Sentiment-Titeln, während der Long-Teil keinen eigenständigen positiven Renditebeitrag leistet.


Quelle: Audrino, Schüttler, Sigrist, 2024


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