09.12.2011 | Research

Literatur-Review rund um die Finanzkrise

Der Ökonom Andrew W. Lo liefert in einem im Oktober veröffentlichten Aufsatz eine Analyse der Literatur rund um die Finanzkrise. Er bezieht 21 Bücher zu dieser Thematik ein.
Die genauen Ursachen und zentralen Akteure der Krise sind nach wie vor Gegenstand der öffentlichen Diskussion. Lo, der an der MIT Sloan School of Management lehrt, vergleicht die gegensätzlichen Ansätze der 21 Autoren, die sich mit dem Thema auseinander gesetzt haben.
Darunter finden sich elf Autoren mit wissenschaftlichem Hintergrund, zehn Journalisten und der ehemalige amerikanische Finanzminister Henry Paulson. Der Vergleich zeigt, dass auch drei Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers noch immer großer Dissenz über die Ursachen und vor allem den richtigen Umgang mit der Finanzkrise herrscht.
Haben die Entlohnungsmodelle an der Wall Street zu exzessivem Risikoverhalten geführt? Befand sich zu viel Leverage im System? Hat die lose Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank zur Bildung der Häuserpreisblase geführt? Haben die Regulierer signifikante Warnungen übersehen? Auf diese Fragen findet sich in den 21 betrachteten Bücher oft mehr als nur eine Antwort. Lo schließt mit dem Vergleich eines Flugzeugabsturzes und dem "Absturz" einer Investment Bank. Während bei beiden Ereignissen eine Bandbreite von Fehlern ursächlich sein kann, haben die Behörden bei einem Flugzeugabsturz immerhin eine klare Vorstellung davon, wo nach dem Fehler zu suchen ist. Beim Zusammenbruch einer Investment Bank dagegen gibt es keinen "Flugschreiber", der den Hergang transparent macht.

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