Leerverkäufe und Arbitrage-Möglichkeiten im ETF-Markt
In einem Researchpaper hat ein Autorenteam der University of Virginia und Villanova University die Gründe und Auswirkungen der umfangreichen Leerverkaufsaktivitäten bei amerikanischen ETFs untersucht. Obwohl ETFs nur etwa 10 % der Marktkapitalisierung in den USA ausmachen, entfallen auf sie 20 % der eingegangenen Short-Positionen und 78 % der Failures-to-Deliver (FTD). Die wesentlichen Bedenken bzgl. dieser großen Leerverkaufspositionen basieren darauf, dass es sich um direktionale Strategien handelt, die Leerverkäufer also auf eine negative Preisentwicklung der ETFs spekulieren. Im Gegensatz dazu sehen die Autoren hierfür operationelle Leerverkäufe als ausschlaggebend an: Autorisierte Teilnehmer verkaufen bei hoher Nachfrage neue ETF-Anteile, verschieben deren physische Herstellung aber auf einen späteren Zeitpunkt. Grund hierfür ist, dass Mispricings und Arbitragemöglichkeiten ausgenutzt werden sollen. Spekulation auf generell sinkende Preise ist damit ausdrücklich nicht verbunden. 
Quelle: Evans et al., 2017
Zunächst zeigen die Autoren, dass die hohe Anzahl der FTDs tatsächlich mit operationellen Leerverkäufen der autorisierten Teilnehmer zusammen hängen. Grundlage ist ein Datensample für den Zeitraum 2004 bis 2016. Im zweiten Schritt werden die Auswirkungen dieser Transaktionen auf die Liquidität der unterliegenden Aktien untersucht. Operationelles Short Selling hat einen negativen Einfluss auf Intraday Spreads und Volatilität der Aktien. Kommt es zu einem plötzlichen Nachfrageschock am ETF-Markt, schlägt dieser nicht unmittelbar auf die im ETF abgebildeten Aktien durch, so dass die operationellen Leerverkäufe einen Puffer zwischen ETF- und Aktienmarkt darstellen. Auf ETF-Ebene sind damit zudem geringere ETF-Mispricings verbunden. Demgegenüber besteht das Risiko von Ansteckungseffekten im ETF-Markt: Zwar kann das operationelle Short Selling auf Ebene einzelner autorisierter Teilnehmer sehr profitabel sein. Jedoch besteht die Gefahr eines höher gehebelten und stärker vernetzten ETF-Marktes, der auf aggregierter Ebene anfälliger für systemischen Stress ist.
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