06.03.2014 | Märkte

Lebensversicherer geraten zunehmend unter Druck

Ein weitere 10 Jahre anhaltendes Niedrigzinsumfeld würde mehr als jeden dritten deutschen Lebensversicherer vor gravierende Zahlungsschwierigkeiten stellen, zeigt die Deutsche Bundesbank in ihrem Jahresbericht zur Finanzmarktstabilität. Mehr als ein Drittel der deutschen Lebensversicherer würden demnach nicht mehr in der Lage sein, die regulatorischen Eigenmittelanforderungen nach Solvency I zu erfüllen. Gemessen am Anteil der Beiträge liegt der Anteil sogar bei über 40 %. Die Solvabilität vieler deutscher Institute leidet maßgeblich unter den gegebenen Zinsgarantien, die mit der Neuanlage im Niedrigzinsumfeld nicht bedient werden kann. Seit 2011 liegt die Rendite deutscher Bundesanleihen unterhalb des gesetzlichen Höchstrechnungszinses für Lebensversicherer.


Quelle: Deutsche Bundesbank

So betrug zum Jahresende der mittlere Garantiezins deutscher Lebensversicherer 3,2 %, deutsche Staatsanleihen lieferten nach Angaben der Bundesbank im Jahr 2013 eine Verzinsung von 1,3 %. Auf Basis sechsjähriger Bundesanleihen untersuchen die Autoren daraufhin drei Szenarien für die Entwicklung der Solvabilität deutscher Lebensversicherer. Das Basis-Szenario 1 legt die prognostizierte Rendite auf Grundlage der Terminzinssätze zugrunde. Hieraus ergibt sich kaum Gefährdungspotenzial für die Branche. Lediglich ein Institut würde in Schieflage geraten. Szenario 2 überträgt die Zinsentwicklung japanischer Staatsanleihen seit dem Jahr 2003 auf die erwartete Verzinsung deutscher Bundesanleihen. Japan gilt als negatives Vorbild für eine "Lost Decade" und deflationäre Tendenzen. In diesem Szenario wären nach heutigem Stand bis 2023 zwölf der 85 untersuchten Versicherer nicht mehr in der Lage, die Solvency-Anforderungen zu erfüllen.


Quelle: Deutsche Bundesbank

Im dritten Szenario wird ein Niedrigzinsumfeld für den gesamten Kapitalmarkt simuliert. Hier würden 32 der analysierten Versicherer die Eigenmittelanforderungen nicht mehr erfüllen können. Die Gefahr für die Stabilität der Versicherungsbranche ist beachtlich, schlussfolgert die Bundesbank. Abhilfe sehen die Autoren unter anderem in Solvency II, da hier langfristige Risiken früher aufgedeckt werden. Zudem sollte ein nachhaltiger regulatorischer Rahmen für die Beteiligung der Versicherungsnehmer an den enormen Bewertungsreserven, die der Zinsrückgang an den Kapitalmärkten bewirkt hat, angestrebt werden.

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