Langlebigkeitsrisiken als Chance für institutionelle Investoren
Während Langlebigkeitsrisiken die Versicherer auf der einen Seite vor gewaltige mögliche Kosten stellen, bieten sich auf der anderen Seite eine Reihe von Investmentopportunitäten aus dieser demographischen Entwicklung. Das Aktien-Research der Bank of America Merrill Lynch untersucht in einer im Juni veröffentlichten, umfangreichen Publikation positive und negative Seiten der demographischen Entwicklung.
Einerseits kommen die Autoren zu dem Schluss, dass bis zum Jahr 2050 Mehrkosten von bis zu 50 % des 2010er Bruttoinlandsprodukts auf die Systeme der Altersversorgung in vielen Staaten zukommen könnten. Andererseits liefert die Analyse auch drei mögliche Zugangswege für Investoren von der Langlebigkeitsdynamik zu profitieren. Demnach stehen erstens Pharma- und Healthcare-Konzerne vor einer positiven Zukunft. Mit alterndem Bevölkerungsschnitt steigt die Nachfrage nach Medikamenten zur Behandlung altersbedingter Krankheiten überdurchschnittlich an. Ebenfalls dürften sich Hersteller von Sehhilfen oder Hörgeräten überdurchschnittlich entwickeln, da ihr Angebot auf eine sehr viel breitere Nachfrage trifft.
Quelle: Bank of America Merrill Lynch
Einen zweiten Zugangsweg identifizieren die Autoren über Investments in den Finanzsektor. Hier bieten sich für Risikoversicherer Chancen im Prämiengeschäft, wovon Aktionäre profitieren können. Ebenfalls stellt der wachsende Markt für den Transfer von Langlebigkeitsrisiken eine Möglichkeit dar, unkorrellierte Erträge zu erwirtschaften. Im Bereich Asset Management dürften nach Auffassung der Autoren Anbieter davon profitieren, dass die Baby-Boomer-Generation ihre Kapitalanlagen mit Eintritt des Rentenalters umschichten. Grundsätzlich erwartet die Investmentbank für die kommenden zehn Jahre eine Veränderung der generellen Risikobereitschaft. Mit abnehmender Zahl der 40-65 Jährigen stehen weniger Risikonehmer zur Verfügung, während gleichzeitig die Nachfrage nach risiko-kontrollierten und diversifizierten, defensiven Anlagen steigt. Die Autoren sprechen daher vom Zeitalter des Hedging.
Quelle: Bank of America Merrill Lynch
Abschließend sehen die Autoren den Konsumgütersektor als dritte Möglichkeit auf der Anlageseite von der demographischen Entwicklung zu profitieren. Die wachsende relative Kaufkraft der Über-60-Jährigen wirkt sich demnach positiv auf die Bereiche Touristik, Kosmetik und Mode aus. Auch Güter für betreutes Wohnen, Apotheken und Healthcare-REITs werden von den Autoren mit überdurchschnittlich guten Wachstumsaussichten beurteilt.