19.11.2013 | Research

Langfristinvestoren sollten auf Aktien setzen

Die Autoren David Blanchett von Morningstar, Michael Finke von der Texas Tech University und Wade Pfau vom American College untersuchen in einem aktuellen Forschungspapier die Effekte von Time Diversification. Mit Time Diversification wird die Annahme bezeichnet, dass das Risiko von Aktieninvestments über einen längeren Anlagezeitraum abnimmt. Zielsetzung des Papers ist es nicht, diese Anomalie zu begründen, sondern sie für verschiedene Märkte zu schätzen und ideale Portfolioallokationen zu bestimmen. Zu diesem Zweck werden 20 der größten Aktienmärkte weltweit anhand von Daten für den Zeitraum 1900-2012 untersucht.

Zunächst bestimmen die Autoren, wie groß der optimale Aktienanteil bei verschiedenen Anlagehorizonten für unterschiedlich risikoaverse Investoren sein sollte. Im Schnitt über alle Länder zeigt sich, dass die ideale Aktienquote mit dem Anlagehorizont ansteigt; das heißt, in der Vergangenheit war es sinnvoll, die Aktienquote bei langen Investitionszeiträumen zu erhöhen - eine Tatsache, die sich nicht allein durch Aktienrisikoprämien (ERP) begründen lässt. Auffällig ist, dass der Anstieg des Aktienanteils bei risikoaversen Investoren zwar von einem niedrigeren Niveau startet, die Steigerung jedoch höher ist als bei Anlegern, die höhere Risiken tolerieren. Dabei reicht der Anstieg der optimalen Aktienallokation von 1,3 % pro zusätzlichem Jahr Anlagezeitraum für risikobereite Investoren bis zu 2,7 % für die risikoaverseren.


Quelle: Blanchett, Finke, Pfau (2013)

Weiterhin wird untersucht, wie sich die ideale Aktienquote für die verschiedenen Anlagezeiträume im Zeitablauf entwickelt hat. Für Investoren mit kurzem Anlagehorizont zeigt sich eine Abnahme der Aktienquote im Zeitverlauf, während sich für langfristige Anleger die Quote erhöht. Dies bedeutet, dass sich die Time-Diversification-Effekte von 1900 bis 2012 verstärkt haben. Natürlich muss berücksichtigt werden, dass diese Ergebnisse auf Daten aus der Vergangenheit basieren und sich zukünftig Parameter ändern können, etwa indem für die Zukunft eine niedrigere ERP angenommen wird. Um jedoch die Effekte der Time Diversification vollständig zu eliminieren, müsste die ERP negativ werden, also Aktien schlechter laufen, als Anleihen.

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