13.10.2011 | Märkte

Kritische Schuldenquoten für Staat, Unternehmen und Haushalte

In einem empirischen Working Paper berechnen drei Autoren der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) kritische Verschuldungsquoten des öffentlichen und Unternehmenssektors sowie der privaten Haushalte. Während niedrige Schuldenstände Wohlfahrt und Wachstum generieren können, überprüfen Stephen Cecchetti, Madhusudan Mohanty und Fabrizio Zampoli anhand von Daten für 18 OECD Staaten von 1980 bis 2010, ab welchem Grenzwert sich der Schuldenstand negativ auf das Wachstum einer Volkswirtschaft auswirkt. Ihre Analyse unterscheidet dabei zwischen Schulden des Staats, des Unternehmenssektor und erstmals auch der privaten Haushalte.


Quelle: Cecchetti, Mohanty, Zampoli (2011)

In der Schätzung mit Krisenvariable liegt die kritische Verschuldungsquote der öffentlichen Hand bei 84 % des BIP. Eine Steigerung um 10 Prozentpunkte darüber hinaus würde das langfristige Wachstumspotenzial der Wirtschaft um 10-15 Basispunkte senken. Für den Unternehmenssektor finden die Autoren zwei kritische Niveaus. Schuldenstände bis 75 % des BIP wirken wachstumsfördernd. Ein bremsender Einfluss auf das Wachstum geht erst mit Schuldenquoten von über 90 % einher. Der negative Effekt ist jedoch etwa halb so groß wie im öffentlichen Sektor. Für private Haushalte belegt die Analyse ein kritisches Verschuldungsniveau von 84 %, das Ergebnis ist allerdings statistisch nicht signifikant.

Aufgrund aktuell bereits hoher Schuldenquoten in den Industriestaaten und vor dem Hintergrund eines steigenden Altersdurchschnitts der Bevölkerung, empfehlen die Autoren daher dringend Schulden abzubauen und drohenden Budgetproblemen entgegen zu wirken.

Abonnenten von Absolut Research können weiterführende Informationen hier herunterladen:
zurück