15.06.2016 | Märkte

Deutsche Bank kritisiert EZB-Politik

Am 8. Juni begann die Europäische Zentralbank, im Rahmen ihres Corporate Sector Purchase Program (CSPP) Unternehmensanleihen zu kaufen. Die Deutsche Bank hat diesen Schritt zum Anlass genommen, deutliche Kritik an der Richtung der EZB-Politik zu üben. Der Chefvolkswirt David Folkerts-Landau sowie Stefan Schneider und Stuart Kirk sind der Auffassung, dass das dogmatische Festhalten der EZB an ihrem Rettungskurs die langfristige Stabilität der Eurozone riskiert. Das Aufkaufen von Staatsanleihen hat das Zinsniveau auf immer neue Allzeittiefs gedrückt und damit Druck von den Peripheriestaaten und Bankbilanzen genommen. Die Verkäufer dieser Papiere nutzten diese Erlöse jedoch nicht für wachstumsfördernde Investitionen, sondern lagerten sie wiederum auf den Geschäftskonten der EZB ein, erklären die Autoren. Der infolgedessen sinkende Marktzins und das wachsende negativ verzinste Marktvolumen führen inzwischen zu einer Fehlallokation in der Realwirtschaft und wirken kontraproduktiv: schlechte Unternehmen überleben und gute Unternehmen sind zu verunsichert, um zu investieren, schreiben die Autoren und fordern einen Kurswechsel der EZB.


Quelle: Deutsche Bank Research

Auch die OECD bezeichnet die Politik der Notenbanken ihrem Business and Finance Outlook 2016 als gescheitert. Die lockere Geldpolitik hat demnach die Grenzen des Machbaren erreicht und ist nicht mehr in der Lage das Wachstum eines großen Teils der Weltwirtschaft zu stimulieren, erklärt Adrian Blundell-Wignall, OECD-Direktor für Finanz- und Unternehmensthemen. Das niedrige und negative Zinsniveau entlastet zwar die Länder des Rettungsprogramms, nimmt aber gleichzeitig den Anreiz, notwendige Reformen voranzutreiben. Auswertungen der OECD zeigen, dass sich das Reformtempo in diesen Staaten seit 2011 wesentlich verlangsamt. Auf Unternehmensebene begünstigt das niedrige Zinsumfeld zudem Unternehmen, die nicht wettbewerbsfähig sind und führt zu einer unproduktiven Verwendung der Liquiditätsflut der Notenbank.

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