18.05.2026 | Research

Kreditrisikoprämie bei US-Unternehmensanleihen

Unternehmensanleihen in den USA haben langfristig neben der Laufzeitprämie eine deutliche Kreditrisikoprämie erwirtschaftet, zeigt ein Research Paper eines Teams um Mohammad Ghaderi von der University of Kansas. Grundlage ist eine neu aufgebaute historische Datenbank für US-Unternehmensanleihen von 1895 bis 2022 mit mehr als 100.000 einzelnen Anleihen und über 7 Mio. Beobachtungen. Sie verbindet handerhobene historische Kursdaten aus Printquellen mit modernen Datensätzen. Credit Spreads werden als Differenz zwischen der Rendite einer Unternehmensanleihe und der Rendite einer Treasury-Anleihe mit identischen Zahlungsströmen berechnet. Die Überschussrendite von Unternehmensanleihen wird in eine realisierte Kreditrisikoprämie gegenüber vergleichbaren Treasuries und eine Laufzeitprämie zerlegt. Für die jüngere Periode ab 1986 fiel die Kreditrisikoprämie bei Investment-Grade-Anleihen klein und statistisch nicht signifikant aus. Wird der Zeitraum aber bis 1947 oder 1926 erweitert, war die Kreditrisikoprämie deutlich größer und statistisch signifikant. Sie stieg zudem mit niedrigerer Bonität.


Quelle: Ghaderi, Plante, Roussanov, Seo, 2026

Die Autoren untersuchen, weshalb die gemessene Kreditrisikoprämie in jüngeren Daten niedrig ausfällt, obwohl Credit Spreads weiterhin hoch sind. In der langen Stichprobe ab 1926 und in der gesamten Nachkriegszeit ab 1947 liegen beide Größen relativ nahe beieinander. Wird die Nachkriegszeit jedoch geteilt, zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Von 1947 bis 1985 überstiegen die realisierten Kreditrisikoprämien die durchschnittlichen Credit Spreads. Von 1986 bis 2022 lagen sie dagegen deutlich darunter. Die durchschnittlichen Spreads selbst veränderten sich zwischen den beiden Teilperioden nur begrenzt. Entscheidend sind daher nicht die Spread-Niveaus, sondern die Spread-Veränderungen. Steigende Spreads führen zu Kursverlusten von Unternehmensanleihen gegenüber vergleichbaren Treasuries und drücken dadurch die realisierte Kreditrisikoprämie. Dieser Spread-Duration-Effekt erklärt, warum die jüngere Stichprobe eine niedrige Kreditrisikoprämie zeigt, obwohl die durchschnittlichen Credit Spreads weiterhin hoch bleiben. Zusätzlich unterschätzen kündbare Anleihen bei sinkenden Zinsen die Kreditrisikoprämie, weil ihre effektive Duration kürzer ist als die übliche Macaulay-Duration.


Quelle: Ghaderi, Plante, Roussanov, Seo, 2026


Absolut Research unterstützt institutionelle Investoren bei der Bewertung von Mandaten und der Selektion neuer Asset Manager mit der monatlich erscheinenden Publikationsreihe Absolut|ranking und den 360°-Analysen (Peer-/ Benchmark-/ Factor-/ Asset-Flow-/ Persistence-Analysen). Insgesamt analysiert Absolut|ranking mehr als 16.000 aktive und passive Strategien von 2.000 Asset Managern, aufgeteilt auf 34 Assetklassen und Marktsegmente sowie mehr als 200 Universen. Individuelle Mandate und Spezialfonds können ebenfalls untersucht werden.

Abonnenten von Absolut Research können weiterführende Informationen hier herunterladen:
Mehr zum Thema "Kreditrisikoprämie"
zurück