18.05.2026 | Märkte

Kapitalintensität rückt in den Fokus von Aktieninvestoren

Sachwerte und kapitalintensive Geschäftsmodelle gewinnen gegenüber den immateriellen Wachstumsmodellen der letzten Dekade wieder an Bedeutung, zeigt eine Studie von Goldman Sachs. Höhere Realzinsen, geopolitische Fragmentierung, neue Lieferkettenstrukturen und der KI-Investitionszyklus führen zu einer Neubewertung physischer Infrastruktur. Die Autoren fassen diese Entwicklung unter dem Begriff HALO zusammen: Heavy Assets, Low Obsolescence. Gemeint sind Unternehmen mit hohen physischen Kapitalbarrieren und geringer technologischer Veralterung, etwa Stromnetze, Pipelines, Versorger, Transportinfrastruktur, kritische Maschinen und langlebige Industriekapazitäten. 

Der Bericht leitet den Befund aus einem Regimewechsel ab. Nach der Finanzkrise begünstigten niedrige Zinsen und hohe Liquidität immaterielle, kapitalleichte Wachstumsmodelle. Anfang der 2020er-Jahre wurde der MSCI Growth Index mehr als doppelt so hoch bewertet wie der MSCI Value Index; in Europa lag die Growth-Prämie gegenüber Value bei rund 150 %. Nach dem Inflationsschock, dem Krieg in der Ukraine und der stärkeren Regionalisierung von Lieferketten rückten Energie, Infrastruktur und Versorgungssicherheit wieder stärker in den Fokus.


Quelle: Goldman Sachs

Ein von den Autoren konstruiertes Capital-Intensive-Aktienportfolio hat den Capital-Light-Korb seit 2025 um 35 % übertroffen. Gleichzeitig hat sich der Bewertungsabschlag stark verringert; beide Gruppen handeln inzwischen annähernd auf gleichem Bewertungsniveau. Die Konvergenz beruht laut Bericht vor allem auf einer Neubewertung kapitalintensiver Unternehmen, nicht auf einem breiten Bewertungsrückgang kapitalleichter Firmen.

KI verstärkt diesen Trend doppelt. Einerseits geraten Software- und IT-Dienstleister unter Druck, weil Margen und langfristige Wettbewerbsvorteile infrage gestellt werden. Andererseits werden große Technologiekonzerne selbst kapitalintensiver: die fünf großen US-Hyperscaler planen zwischen 2023 und 2026 rund 1,5 Bio. US-Dollar in physische Infrastruktur zu investieren. 


Quelle: Goldman Sachs


Absolut Research unterstützt institutionelle Investoren bei der Bewertung von Mandaten und der Selektion neuer Asset Manager mit der monatlich erscheinenden Publikationsreihe Absolut|ranking und den 360°-Analysen (Peer-/ Benchmark-/ Factor-/ Asset-Flow-/ Persistence-Analysen). Insgesamt analysiert Absolut|ranking mehr als 16.000 aktive und passive Strategien von 2.000 Asset Managern, aufgeteilt auf 34 Assetklassen und Marktsegmente sowie mehr als 200 Universen. Individuelle Mandate und Spezialfonds können ebenfalls untersucht werden.

Abonnenten von Absolut Research können weiterführende Informationen hier herunterladen:
Mehr zum Thema "Regimewechsel"
zurück