Konstruktionsrisiken von Infrastrukturprojekten lassen sich managen
Bei größeren Infrastrukturprojekten kommt es regelmäßig zu Budgetüberschreitungen, vor allem im Falle klassischer Bauprojekte, bei denen die öffentliche Hand diese Konstruktionsrisiken trägt. Frédéric Blanc-Brude und Dejan Makovsek vom EDHEC-Risk Institute untersuchen in einem Forschungspapier, ob es auch in den Fällen zu Budgetüberschreitungen kommt, in denen die Risiken über entsprechende Vertragsgestaltungen an die Bauunternehmen übertragen werden. Hierzu greifen die Autoren auf ein neues Datensample von Natixis zurück, das für den Zeitraum 1993 bis 2010 74 Projekte mit Volumina von 24 Mio. bis 13 Mrd. US-Dollar umfasst.
Quelle: Blanc-Brude, Makovsek (2014)
In lediglich 21 Fällen weichen ex-post die Kosten der Projekte von den Planungen ab, in zwei Fällen sind sie sogar niedriger als geschätzt. Angesichts der Schiefe der Verteilung verwenden die Autoren den Median für die Ermittlung des Konstruktionsrisikos. Anhand dieser Maßzahl ist das mittlere Konstruktionsrisiko für die Infrastrukturprojekte, bei denen die Konstruktionsrisiken an die Bauunternehmen abgetreten wurden, statistisch gleich Null. Weder bei einer weiteren zeitlichen noch geographischen Aufteilung ändern sich diese Ergebnisse. Im Gegensatz dazu liegt der Median der Budgetüberschreitungen für ein Vergleichssample, das aus klassischen Projektfinanzierungen besteht, bei denen der Auftraggeber das Konstruktionsrisiko trägt, bei 20 %.
Quelle: Blanc-Brude, Makovsek (2014)
Abschließend prüfen die Autoren die Einflüsse weiterer vertraglicher Vereinbarungen, darunter eine Full Completion Guarantee, die eine Insolvenz des Bauunternehmers ebenfalls mit absichert oder die Möglichkeit, ab einer bestimmten Anzahl von Vertragsverletzungen, diesen zu Lasten des Bauunternehmers aufzulösen. In den Schätzungen zeigen sich allerdings keine nachhaltigen Signifikanzen.