Klimaanpassung zwischen öffentlichem und privatem Kapital
Die Klimaanpassung in Europa bleibt deutlich hinter dem wachsenden Risiko zurück und der Investitionsbedarf steigt erheblich. Allianz Research hat daher untersucht, wie Klimaanpassung als investierbarer Bereich besser greifbar gemacht werden kann. Die Autoren argumentieren, dass das zentrale Problem nicht nur in fehlendem Kapital liegt, sondern in einer fehlenden gemeinsamen Einordnung von Maßnahmen, Risiken und Finanzierungsrollen. Dafür entwickeln sie eine Taxonomie mit 61 Anpassungsmaßnahmen, die nach ihren wirtschaftlichen und finanziellen Eigenschaften geordnet werden. Entscheidend ist dabei, ob sich der Nutzen einer Maßnahme monetarisieren und von privaten Akteuren abschöpfen lässt.

Quelle: Allianz Research
Aus dieser Einordnung leiten die Autoren drei Gruppen ab. 38% der Maßnahmen sind vor allem öffentlich. Dazu zählen vor allem große Infrastrukturprojekte und systemische Resilienz. 23% sind jedoch effizient privat finanzierbar. Hier werden skalierbare, innovationsgetriebene Bereiche wie Kühltechnologien und Klimaanalytik genannt. Weitere 39% liegen im öffentlich-privaten Bereich. Hier rückt Risikoteilung als zentrales Element der Finanzierung in den Vordergrund. Die Taxonomie soll keine starre Kapitalaufteilung vorgeben, sondern eine Struktur schaffen, mit der sich Investierbarkeit besser beschreiben und vergleichen lässt.
Für die Investitionslogik ist vor allem wichtig, dass viele Anpassungsmaßnahmen nur schwer bankfähig sind. Es fehlen häufig belastbare Geschäftsmodelle, Track Records und verlässliche Daten zu Anpassungsergebnissen. Zudem sind die politischen Rahmenbedingungen fragmentiert, was langfristige private Zusagen erschwert. Diese Hürden erklären, warum Anpassung in Europa noch stark von öffentlichen Entscheidungen abhängt.

Quelle: Allianz Research
Im Zeitraum 2018 bis 2022 entfiel der größte Teil der Anpassungsinvestitionen in Europa auf Hitzeschutz, danach auf Hochwasserschutz. Dagegen erhielten Waldbrände und Dürre nur geringe Anteile. Die Studie erklärt das mit schwachen privaten Ertragsaussichten, weil viele dieser Maßnahmen öffentliche Güter darstellen. In den sektoralen Fällen stechen öffentliche Verwaltung, Wasserversorgung, Abfallwirtschaft sowie Bergbau als besonders anpassungsintensiv hervor. Dagegen investieren verarbeitendes Gewerbe und Groß- und Einzelhandel oft deutlich weniger, als ihrer wirtschaftlichen Bedeutung entspräche. Das spricht aus Sicht der Autoren für verzögerte oder reaktive Anpassung.
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