IWF: Deutsches Finanzsystem trotz Niedrigzins stabil
Der Internationale Währungsfonds IWF hat im Juli die Ergebnisse eines Stresstest des deutschen Banken- und Versicherungssystems veröffentlicht. Die risikobasierten Solvenzindikatoren des Bankensystems zeigen demnach umfangreiche Kapitalpuffer an. Vor allem größere Geschäftsbanken und Immobilienfinanzierer weisen relativ hohe Liquiditätskennziffern auf. Die grundsätzliche Qualität des Anlagebestands im Bankensektor ist demnach hoch, lediglich die Landesbanken stechen mit einem relativ hohen Anteil notleidender Kredite heraus. Im Gegenzug ist die Profitabilität der deutschen Finanzinstitute relativ schwach. In zwei untersuchten Stressszenarien, die eine globale bzw. eine Krise in der Eurozone simulieren, würden jeweils rund 30 der 1.750 analysierten Banken die Solvenzanforderungen verfehlen. 
Quelle: IMF
Im Versicherungssektor ist trotz der konservativen Anlagepolitik ein Trend zu höher rentierlichen Asset-Klassen zu beobachten. Zwar stellt das Niedrigzinsumfeld dem Bericht zufolge für die Assekuranzen keine unmittelbare Gefahr dar, jedoch heben die Autoren hervor, dass eine längerfristige Fortsetzung die Branche vor erhebliche Herausforderungen stellen würde. Dies gilt insbesondere im Segment der Lebensversicherungen. Derzeit erfüllen die meisten Versicherer die Solvenzkapitalanforderungen nach Solvency II. Grund hierfür sind allerdings für viele Institute die Übergangsregelungen, ohne die die Vorgaben im Stressszenario vielfach verfehlt würden. Abschließend werden Spillover-Risiken untersucht. Es zeigen sich vor allem Outward-Spillover-Risiken durch das deutsche Bankensystem auf die Institute anderer Länder, während innerhalb des deutschen Bankensystems die Ansteckungsrisiken niedrig sind. 
Quelle: IMF
Der Ausschuss für Finanzstabilität betont in dem ebenfalls im Juni erschienenen dritten Bericht zur Finanzstabilität in Deutschland, dass die niedrigen Zinsen prägend für die Risikolage des deutschen Finanzsystems sind. Dennoch lässt sich derzeit keine übermäßige Übernahme von Risiken durch den Finanzsektor beobachten. Hinzu kommt die gestiegene Widerstandsfähigkeit der Banken, die ihre Eigenkapitalausstattung verbessert und die Verschuldung reduziert haben. Bei längerem Anhalten des Niedrigzinsniveaus bestehen allerdings Risiken für die Ertragslage. Deutlich ernster wird die Lage für die Lebensversicherer gesehen, deren Erträge unter Umständen nicht mehr ausreichen werden, die Verpflichtungen zu erfüllen. Weitere untersuchte Aspekte betreffen das Schattenbankensystem sowie den Wohnimmobilienmarkt.
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