Institutionelle Anleger in Österreich scheuen Venture Capital
Eine Umfrage unter institutionellen Anlegern in Österreich ergab, dass diese derzeit Venture-Capital-Finanzierung (VC) kaum als Anlageform verwenden. Die Studie "Hemmnisse für die Finanzierung von Frühphasen- oder Venture-Capital-Fonds in Österreich" wurde als Zusammenarbeit des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung und der Austrian Private Equity und Venture Capital Association durchgeführt.
Demnach planen Anleger in Private Equity derzeit keine Ausweitung ihrer Venture-Capital-Aktivitäten und bislang nicht investierte Institutionen streben keinen Einstieg in Venture Capital an.
Als Ursachen für die Ablehnung von Venture-Capital-Engagements identifiziert die Studie die hohen Risiken von VC-Investitionen, bei gleichzeitig unbekannten Erträgen und fehlenden historischen Daten. Die Informationsasymmetrien zwischen Anleger, VC-Fonds und VC-Unternehmen werden von potentiellen Anlegern als zu hoch eingestuft.
Daneben behindert das regulatorische Umfeld in Österreich VC-Investitionen. Die Rahmenbedingungen für Private-Equity-Investitionen befinden sich in Österreich zur Zeit im Umbruch. Wie wir bereits im Juni berichteten, war seit 1994 die weitaus wichtigste Organisationsform für Private Equity und Venture Capital die Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft (MiFiG, § 6b KStG). Die EU-Kommission beeinspruchte die MiFiG-Bestimmungen wegen unerlaubter staatlicher Beihilfe und verursachte damit ein Auslaufen des MiFiG-Gesetzes mit Ende 2007.
Österreich: Branche fordert Private-Equity-Gesetz
Trotz der dynamischen Entwicklung der vergangenen Jahre liegt Österreich, was den Anteil der Private Equity- und Venture-Capital-Investitionen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrifft, im EU-Ranking unter den Ländern mit der niedrigsten BIP-Quote. Sie betrug 2006 mit knapp 0,1% nur ein Zehntel des EU-Durchschnittswertes (0,9%). Auffällig ist zudem, dass Beteiligungen in Venture Capital deutlich hinter sonstigen Private Equity Aktivitäten zurückbleiben.
Die Autoren empfehlen den wirtschaftspolitischen Entscheidungsträgern daher eine möglichst rasche Umsetzung eines eigenständigen Private-Equity-Gesetzes, was sich aufgrund der anstehenden Neuwahlen in Österreich allerdings verzögern dürfte. Die Forschung müsse zudem ein Modell zur Berechnung historischer aggregierter Daten auf VC-Investitionen in Österreich entwickeln und dieses institutionellen Anlegern zur Verfügung stellen.