26.07.2022 | Research

Inflationsrate und Arbeitslosenquote

Zwischen den Jahren 2000 und 2019 war die Steigung der Phillips-Kurve in den USA nahe bei null. Weicheng Lian und Andreas Freitag vom Internationalen Währungsfonds haben in einem Research Paper die Gründe für diesen fehlenden Zusammenhang von Inflation und Arbeitslosenquote in den 2000er Jahren untersucht. Dabei fokussieren sich die Autoren auf Gründe jenseits konjunktureller Schwäche. Die Idee lautet, dass die Steigung der Phillips-Kurve durchaus positiv sein kann, aber der inflationäre Druck durch die stetig fallende Arbeitslosenquote durch andere Faktoren kompensiert wurde. Hierzu wird die Kerninflation in eine zyklische und eine nichtzyklische Komponente zerlegt.

Es zeigt sich, dass die nichtzyklische Inflation zwischen 2012 und 2019 einen Abwärtstrend über Länder, Branchen, Güter und Dienstleistungen hinweg aufwies. Im Mittel sank sie um 1,1 Prozentunkte, während die zyklische Komponente um 0,26 Prozentpunkte anstieg. Dieser Trend kehrte sich auch mit den steigenden Ölpreisen ab 2016 nicht um, woraus die Autoren schließen, dass die Ölpreisentwicklung nicht der primäre Treiber dieses Trends war. Auch andere globale Faktoren wie Transportkosten oder Lieferkettenstörungen waren nicht verantwortlich. Weiterhin war der Trend nicht von wenigen großen Ländern abhängig. Auch die zyklische Inflationskomponente hat – wenn der Effekt konjunktureller Schwäche herausgerechnet wird – zwischen 2012 und 2019 einen Abwärtstrend aufgewiesen.
 


Quelle: Lian, Freitag, 2022


Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass antizyklische Bewegungen der Inflationserwartungen von Unternehmen der wahrscheinlichste Grund für den fehlenden Zusammenhang von Inflation und Arbeitslosenquote sind.


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