27.10.2010 | Report

IMF analysiert Vorgehensweise der Ratingagenturen

Ratingagenturen sind bereits während der Finanzkrise bei der Bewertung von strukturierten Finanzierungen in die Kritik geraten. Plötzliche Downgrades führten zu einem zeitweilig kompletten Erliegen der Marktaktivität. Ähnliche Ereignisse folgten der Griechenlandkrise im Frühjahr 2010. Hier sorgten Bilanzmanipulationen und eine hohe Verschuldung für die Herabstufung Griechenlands auf eine Non-Investment Grade Rating. Aufgrund der Anlagebestimmungen für institutionelle Investoren war eine Refinanzierung Griechenlands ohne Intervention der EU-Mitgliedsstaaten nicht mehr möglich. Insbesondere die Auswirkungen von Ratings auf Staaten und ihre Finanzierungsmöglichkeiten waren Anlass für den International Monetary Fund (IMF), in der Herbstausgabe des "Global Financial Stability Report" ausführlich den Einfluss von Ratingagenturen auf die Finanzmarktstabilität zu untersuchen.


Quelle: IMF

Demnach schätzt der IMF Kredit-Ratings grundsätzlich als vorteilhaft ein. Sie aggregieren Informationen über die Kreditqualität von Schuldnern und sorgen damit für einen höheren Grad an Information und Liquidität in den Märkten. Ratingagenturen liefern lediglich ordinal skalierte Rankings. Damit seien sie laut IMF erfolgreich, da bspw. alle seit 1975 ausgefallenen Staatsschuldner mindestens ein Jahr vor dem Ausfall ein Non-Investment Grade Rating auswiesen.


Quelle: IMF

Kritisch wird die Eingliederung in ein metrisches Kreditrisikomanagement wie unter Basel II gesehen. Für die Integration in die Finanzmarktregulierung sollten Ratingagenturen daher quantitative Kennzahlen wie Ausfallwahrscheinlichkeiten und Verlustschätzungen liefern. Auch müssten die durch regulatorische Anforderungen verursachten Kauf- und Verkaufsentscheidungen von Investoren aus dem Aufsichtsrecht eliminiert werden, um unerwünschte Verkaufswellen zu vermeiden. Desweiteren fordert der IMF mehr Transparenz der Ratingagenturen bei der Rating-Entscheidung und bei der Offenlegung möglicher Interessenkonflikte.

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