27.11.2018 | Research

Höherer Preisabschlag liquider Anleihen bei Notverkäufen

Bei Notverkäufen geraten die Preise liquider Anleihen stärker unter Druck als die Preise weniger liquider Bonds, zeigt ein Researchpaper eines Autorenteams der Wirtschaftsuniversität Wien. Grundüberlegung ist, dass institutionelle Investoren, in diesem Falle ein Sample von Schadens- und Unfallversicherungen, bei Notverkäufen zunächst versuchen, liquidere Positionen ihres Portfolios zu verkaufen. Diese Annahme wird von den untersuchten Daten erhärtet. Problematisch ist, dass Liquidität und Überlappungen bei den Engagements verschiedener Versicherungen stark positiv korreliert sind. Dies bedeutet, dass viele Versicherer parallel in relativ wenigen liquiden Anleihen investiert sind. Kommt es zu einem größeren Schadensereignis, das mehrere Versicherer betrifft (z.B. ein Hurrikan), beginnen die Assekuranzen gleichzeitig, diese Positionen zu verkaufen. Dies führt dazu, dass diese liquiden Anleihen deutlich größere Preisabschläge verzeichnen als weniger liquide Bonds. Dieses Phänomen gilt allerdings nur für Phasen von Notverkäufen. Untersucht wurde der Zeitraum 2005 bis 2014.


Quelle: Chaderina, Mürmann, Scheuch, 2018

Die Überschneidungen der Portfolios unterschiedlicher Versicherungen bei den besonders liquiden Anleihen machen den größten Anteil des Notverkaufsrisikos aus. Im Zeitverlauf ist dieses allerdings nicht angestiegen, sondern hat sich seit dem Jahr 2010 sogar verringert. Die Autoren schließen mit zwei Empfehlungen. Erstens sollten sich Maße, die die Überschneidungen von Portfolios wiedergeben, verstärkt auf die liquideren Bereiche fokussieren, da diese in Liquiditätsengpässen zunächst abgestoßen werden. Zweitens besteht das Risiko, dass die Auflage, mehr liquide Assets zu halten, auch die Überschneidungen der Portfolios erhöht. Um dies zu umgehen, sollten Anreize geschaffen werden, diese Überschneidungen zu minimieren und damit die Finanzstabilität zu verbessern.


Quelle: Chaderina, Mürmann, Scheuch, 2018


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