Heterogenität globaler und regionaler Safe Assets
Safe Assets im internationalen Bondmarkt unterscheiden sich, je nach Art und Weise des Schocks, zeigt eine Analyse von Tsvetelina Nenova (Bank of International Settlements, BIS). Demnach nehmen nicht alle sicheren Staatsanleihen dieselbe Rolle im internationalen Finanzsystem ein. US-Staatsanleihen fungieren als globales Safe Asset, während deutsche Bundesanleihen primär eine regionale Absicherungsfunktion innerhalb des Euroraums erfüllen. Diese Unterschiede prägen maßgeblich die internationale Portfolioallokation und die geldpolitische Transmission.

Quelle: Tsvetelina Nenova (Bank of International Settlements, BIS)
Die Studie analysiert das Nachfrageverhalten internationaler Investmentfonds auf Basis eines granularen Datensatzes zu Staats- und Unternehmensanleihen im Zeitraum von 2007 bis 2020. Untersucht werden sowohl eigene Nachfrageelastizitäten als auch Substitutionsmuster zwischen einzelnen Anleihen. Als sicher wahrgenommene Anleihen weisen demnach besonders unelastische Nachfrage auf. US-Treasuries und deutsche Bundesanleihen werden von Fonds deutlich weniger stark umgeschichtet als riskantere Titel, was auf zusätzliche nicht-monetäre Halteanreize wie Liquidität, regulatorische Vorteile oder Sicherheitenfunktion hindeutet. Gleichzeitig unterscheiden sich die Substitutionswirkungen deutlich. Steigende Renditen von US-Treasuries führen dazu, dass Fonds Bestände in einem breiten Spektrum anderer Anleihen reduzieren, darunter auch Unternehmens- und Schwellenländeranleihen. US-Treasuries wirken damit global als Referenz- und Umschichtungsanker. Demgegenüber werden deutsche Bundesanleihen vor allem gegen andere hoch bewertete Staatsanleihen des Euroraums substituiert, was auf eine stärkere regionale Segmentierung hindeutet.

Quelle: Tsvetelina Nenova (Bank of International Settlements, BIS)
In Stressphasen verschärfen sich diese Muster. Die Nachfrage nach sicheren Anleihen wird noch unelastischer, und die Substituierbarkeit zwischen sicheren und riskanten Anleihen nimmt deutlich ab. Dies deutet auf ausgeprägte „Flight-to-Safety“-Effekte hin. Die Studie zeigt zudem, dass geldpolitische Impulse über sichere Anleihen in Krisenzeiten weniger stark auf riskantere Marktsegmente durchschlagen.
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