25.08.2025 | Research

Wirksamer Emissionshandel belohnt grüne Unternehmen

Ein empirisches Paper der Bundesbank und der EZB zeigt, dass grüne Unternehmen in Europa im Zeitraum 2013 bis 2022 systematisch höhere Renditen erzielten als braune Unternehmen. Im Durchschnitt betrug der Renditevorsprung rund zwei Prozentpunkte. Dieser Unterschied lässt sich durch die Wirkungsweise des europäischen Emissionshandels erklären: Der CO2-Preis verhielt sich prozyklisch und korrelierte positiv mit dem Green-minus-Brown-Portfolio, was bedeutet, dass steigende Zertifikatspreise in Aufschwüngen die Kosten brauner Unternehmen erhöhen, ihre Dividenden glätten und somit ihre Risikoprämien senken. Präferenzbasierte Erklärungen, etwa durch Stigmatisierung brauner Firmen oder gezielte Nachfrage nach grünen Finanzprodukten, erwiesen sich hingegen als quantitativ unzureichend, um das beobachtete Renditemuster vollständig zu erklären.

Die Autoren führen zunächst eine empirische Analyse europäischer Aktienmärkte durch. Sie klassifizieren Unternehmen nach ihren Scope-1-Emissionen und bilden Portfolios, deren Renditen mit klassischen Faktoren sowie mit der Entwicklung des CO2-Preises verglichen werden. Dabei zeigt sich die robuste Outperformance grüner Portfolios. Anschließend wird ein Zwei-Sektoren-Produktionsmodell entwickelt, in dem braune Unternehmen Emissionsrechte erwerben müssen. Die Kalibrierung an durchschnittliche EU-ETS-Preise von etwa zwölf Euro pro Tonne CO2 reproduziert die empirisch beobachtete Renditedifferenz. Zudem liefert das Modell konsistente Ergebnisse in Bezug auf die gesamtwirtschaftliche Eigenkapitalprämie und die Zinsstruktur. Ergänzende Simulationen zu Anlegerpräferenzen verdeutlichen, dass selbst starke Stigmatisierung brauner Unternehmen nicht ausreicht, um das Renditemuster zu erklären, und dass eine Präferenz für grüne Anleihen das Green Premium eher verstärkt. Insgesamt unterstreicht die Analyse die zentrale Rolle des Emissionshandels für die Renditestruktur grüner und brauner Unternehmen. Die Autoren Ivan Jaccard (EZB), Thore Kockerols (EZB), Yves Schüler (Deutsche Bundesbank) schlussfolgern, dass es in Regionen mit funktionierendem Carbon-Markt lohnenswert sein kann in grüne Unternehmen zu investieren.


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