09.11.2021 | Research

Struktur der Inflationsrate im Euroraum vor 2020

Die EZB hat in einem Researchpaper die Gründe für die geringe Inflationsrate der Eurozone in den Jahren 2013 bis 2019 untersucht und zyklische und strukturelle Treiber dieser Entwicklung identifiziert. Ab dem Jahr 2013 entwickelte sich die Inflationsrate nach zwei Rezessionen sehr schwach. Dies betraf sowohl die veröffentlichte Inflationsrate, die von schwachen Energiepreisen nach unten gedrückt wurde, als auch weitere Maße wie Löhne, Produzentenpreise sowie Indikatoren für die Grundinflation. Zunächst untersuchen die Autoren diese Entwicklung anhand der Phillips-Kurve. Die Analyse zeigt, dass zyklische Entwicklungen einen großen Teil des Rückganges der Inflationsrate erklären können, vor allem in den ersten Jahren des Beobachtungszeitraumes, als die makroökonomische Lage schwach war.


Quelle: EZB

Zyklische Treiber alleine können die Entwicklung allerdings nicht erklären. Hinzu kommen strukturelle Trends. Hierzu zählen die Globalisierung und die Digitalisierung, welche die Inflationsrate sowohl direkt über die Preise von Informations- und Kommunikationstechnologie als auch indirekt über die Preissetzung von Unternehmen sowie Produktivität beeinflussen. Ein weiterer Effekt ist der demografische Wandel. Im Regelfall können diese langfristigen Effekte durch die Geldpolitik kompensiert werden; in einem Umfeld sehr geringer Inflation, in dem die Geldpolitik in ihren Handlungsoptionen eingeschränkt ist, kann aber ein Einfluss auf die Inflationsrate möglich sein. Vor allem für den Zeitraum 2017 bis 2019 werden zwei weitere Einflussfaktoren genannt. Zum einen unerwartet positive Angebotseffekte, die zu einer Unterschätzung der wirtschaftlichen Schwäche führten, was wiederum einen Anstieg der Inflationsrate verhinderte. Zum anderen gibt es Anzeichen, dass die Inflationserwartungen sich vom Inflationsziel der EZB entkoppelt haben. Niedrigere Inflationserwartungen können selbsterfüllend über Lohn- und Preispolitik eine niedrige Inflation zementieren.

In Summe diagnostizieren die Autoren, dass nicht ein Faktor für sich allein die niedrige Inflation in den Jahren ab 2013 erklären kann, sondern es sich um ein Zusammenspiel verschiedener Effekte handelte.

 

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