Greenwashing in der Fondsbranche
Ariadna Dumitrescu, Javier Gil-Bazo und Feng Zhou haben in einem Research Paper Greenwashing bei Investmentfonds untersucht. Als Greenwasher werden Fonds bezeichnet, die sich selbst als ESG-Produkt vermarkten, aber lediglich ein durchschnittliches Morningstar ESG Rating aufweisen und gleichzeitig auf Abstimmungen bei Hauptversammlungen weniger als 70 % der ESG-Initiativen unterstützen. Das Sample umfasst US Publikumsfonds im Zeitraum 2016 bis 2020.
Grundsätzlich ist das eigene Verständnis von Fonds als ESG-Produkt ein guter Prädiktor sowohl für das ESG Rating als auch für das Abstimmungsverhalten. Dies gilt allerdings nicht für alle der selbsterklärten ESG-Fonds. 31 der 130 Produkte (23,8 %) sind nach Definition der Autoren Greenwasher. Werden die Assets under Management betrachtet, entfallen auf Greenwasher 30,2 % der vermeintlich nachhaltig verwalteten Assets. Dass ein Viertel der Produkte nicht den Anforderungen an echte ESG-Produkte genügt, bestätigt zwar einerseits Bedenken von Regulatoren, ist allerdings kein Anzeichen für allgegenwärtiges Greenwashing.

Quelle: Dumitrescu, Gil-Bazo, Zhou, 2022
Greenwasher werden mit größerer Wahrscheinlichkeit von größeren und alteingesessenen Fondsanbietern verwaltet. Bei Unterzeichnern der UN PRI ist das Greenwashing-Risiko 33 % geringer. Zuletzt untersuchen die Autoren, ob die Investoren in der Lage sind, zwischen echten ESG-Fonds und Greenwashern zu unterscheiden. Hierzu betrachten sie die Asset Flows. Zunächst zeigen sie, dass echte ESG-Produkte ceteris paribus höhere Zuflüsse verzeichnen als Non-ESG-Fonds. Die Zuflüsse in Greenwasher sind wiederum signifikant geringer als in erklärte Non-ESG-Fonds. Dies ist ausschließlich auf institutionelle Investoren zurückzuführen: Während Privatanleger nicht zwischen echten ESG-Strategien und Greenwashern unterscheiden, sind Institutionelle offenbar in der Lage, Greenwasher zu identifizieren und zeigen eine Vorliebe für die echten ESG-Fonds.
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