08.06.2009 | Studie

Gewinnmeldungen veranlassen Anleger zu "Herdenverhalten" am Aktienmarkt

In einer aktuellen Studie untersuchen die Autoren Andrew Patton, University of Oxford, und Michela Verardo, London School of Economics, den Einfluss der Veröffentlichung von Quartalsgewinnen auf das Beta der jeweiligen Aktie. Für den Untersuchungszeitraum von 1995 bis 2006 weisen die Autoren bei Aktien des S&P 500 Index einen signifikanten Anstieg des Beta-Koeffizienten am Tag der Veröffentlichung nach. So stieg der Koeffizient durchschnittlich um 0,08 Punkte wobei der t-Wert  8,03 betrug. Der Anstieg normalisierte sich nach durchschnittlich fünf Tagen allerdings wieder. Insgesamt zeigen liquidere Titel, gemessen am Börsenumsatz, einen stärkeren Ausschlag des Beta-Koeffizienten (0,11 vs. 0,03). Allerdings ist auch entscheidend, ob das Ergebnis unerwartet von den Konsensprognosen abweicht und inwiefern Analystenschätzungen zuvor mit Unsicherheit behaftet waren. Bezüglich der Sektoren zeigen High-Tech-Unternehmen mit einem durchschnittlichen Ansiteg von 0,13 die stärksten Anstiege des Betas, und Health-Care-Aktien den geringsten Anstieg.

Veränderung des Beta-Faktors infolge der Veröffentlichung von Quartalsgewinnen



Quelle: Patton/Verardo (2009)

Um die Quellen des Beta-Anstiegs zu identifizieren, zerlegen die Autoren den Anstieg in eine volatilitätsgetriebene und eine kovarianzgetriebene Komponente. Demnach gehen rund 80% des Beta-Anstiegs auf eine erhöhte Kovarianz zu anderen Aktien zurück. Dies führen die Autoren darauf zurück, dass eine Unternehmensnachricht meist auch Informationen bezüglich anderer Unternehmen enthält.

Die kurzzeitigen Änderungen des Betas führen die Autoren auf drei Faktoren zurück. Demnach enthält eine Gewinnmeldung auch immer Informationen über die gesamtwirtschaftliche Lage, was zu einer Erhöhung der Kovarianz beiträgt. Weiterhin nutzen Anleger die Informationen von anderen, ähnlichen Unternehmen, um Rückschlüsse über das eigene Unternehmen ziehen zu können. Drittens lägen zwischen den Berichtszeiträumen jeweils drei Monate, sodass es zu einer nur periodischen und somit sprunghaften Anpassung der künftigen Erwartungen komme. Daher folgern die Autoren, dass Anleger durch ihr Verhalten infolge der Informationsverarbeitung diese Betaveränderungen auslösen.

 

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