04.04.2023 | Research

Geldpolitische Straffung und US-Finanzstabilität

Ein Team um Erica Jiang von der University of Southern California hat in einem Research Paper die Auswirkungen der jüngsten Zinsanstiege auf die Assets von Banken und die Finanzstabilität analysiert. Die geldpolitische Straffung durch die Federal Reserve hat bei den US-Banken zu deutlichen Bewertungsverlusten der langlaufenden Assets geführt. Der Marktwert der Aktiva des US-Bankensystems ist um 2 Billionen US-Dollar niedriger als es ihr Buchwert unter Berücksichtigung der bis zur Fälligkeit gehaltenen Kreditportfolios erwarten lässt. Zu Marktpreisen bewertete Aktiva sind im Mittel 10 % gesunken.

Von besonderer Bedeutung für die Solvenz der Banken sind unversicherte Verbindlichkeiten. Während ein Teil der Einlagen abgesichert ist, verlieren unversicherte Einleger bei einer Bankinsolvenz zumindest einen Teil ihrer Gelder, was einen Anreiz zur Flucht darstellt. Eine Fallstudie der Silicon Valley Bank (SVB) zeigt, dass diese weder die höchsten Verluste hatte noch zu den am schlechtesten kapitalisierten Instituten gehörte. Dem stand allerdings gegenüber, dass sie einen unverhältnismäßig großen Teil unversicherter Verbindlichkeiten hatte, was in Kombination mit den Verlusten zu einem Bank Run führte.

Die Autoren haben eine ähnliche Situation für ein Sample aller mehr als 4.800 US-Banken kalkuliert. Auch wenn nur die Hälfte der nicht versicherten Einleger beschließt, ihre Einlagen abzuziehen, besteht für fast 190 Banken ein potenzielles Risiko, dass versicherte Einleger geschädigt werden, so dass versicherte Einlagen in Höhe von 300 Mrd. USD gefährdet sind – unter der Annahme, dass die Banken ihre Assets zu Marktpreisen liquidieren können und nicht zu Notverkäufen gezwungen sind. Kommt es hingegen zu Fire Sales, sind wesentlich mehr Banken gefährdet.



Quelle: Jiang, Matvos, Piskorski, Seru, 2023
 


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