Geldpolitik als Unsicherheitsfaktor für die Finanzmärkte
Das Office of Financial Research hat in seinem Jahresbericht die bestehenden Gefahren für die Stabilität der weltweiten Finanzmärkte analysiert. Im Fokus der Untersuchung, die auf Modellen, Umfragen, Finanzdaten und anderen Faktoren beruht, stehen Risiken für die US-Märkte. Die Autoren sehen die Probleme im Wesentlichen in drei Bereichen. An erster Stelle steht das exzessive Eingehen von Risiken in Zeiten niedriger Zinsen und geringer Volatilität. Zwar rechnen die Anleger durchaus mit langfristig steigenden Zinssätzen in den USA, doch bestehen Gefahren, wenn die Zinswende schneller bzw. intensiver eintritt, als es von den Anlegern antizipiert wurde. Seit dem vergangenen Jahr hat sich die durchschnittliche Duration der Anleihenportfolios in den USA weiter erhöht, so dass ein Anstieg des Zinses um 100 Basispunkte mit einem Verlust von 212 Mrd. US-Dollar für Bond-Fonds verbunden wäre - im Mittel 5,6 % je Fonds. Ähnliche Effekte wären mit unerwarteten Bewegungen der Wechselkurse oder anderer Asset-Preise verbunden.
Quelle: Office of Financial Research
Eine weitere strukturelle Gefährdung geht von der Kurzfristigkeit am Markt für Großkredite aus. Gerade in turbulenten Marktphasen sinkt die Liquidität, wodurch Notverkäufe ausgelöst werden können. Davon ist vor allem das Segment des Repo-Marktes betroffen, der für dieses Risiko unverändert anfällig ist. Drittens haben die Autoren die Befürchtung, dass sich die Aktivitäten von Finanzinvestoren zunehmend in Bereiche verlagern, in denen Risiken schwerer abzuschätzen sind, da keine ausreichenden Informationen zur Verfügung stehen. Zuletzt wird auf mögliche Spillover-Effekte einer Straffung der US-Geldpolitik hingewiesen. Durch die zunehmende Vernetzung der globalen Finanzmärkte, einschließlich der Emerging Markets, steigt das Risiko, dass Schocks zukünftig schneller in andere Regionen und Märkte transportiert werden, so dass Turbulenzen breitere Auswirkungen haben.