Finanzkrise bietet Chancen für Private Equity
Die jüngsten Ereignisse der Finanzkrise erschweren die Auflage neuer Leveraged-Buy-Out-Transaktionen (LBOs), bieten jedoch auch Chancen durch antizyklisches Handeln und für Distressed-Debt-Transaktionen. So lautet die Markteinschätzung des schweizer Private-Equity-Hauses Capital Dynamics.
Demnach hat die Finanzkrise die Aufnahme von neuem Fremdkapital deutlich erschwert. So gab es seit Juli 2007 keine großen LBO-Transaktionen mehr. Zeichnete sich im 2. Quartal 2008 noch eine Beruhigung der Märkte ab, verhinderten die Ereignisse im September eine Erholung am Kreditmarkt. Eine Umfrage unter den größten Private-Equity-Unternehmen ergab, dass sie nur geringe Exposures in den gescheiterten Finanzinstituten und nur geringe Probleme mit ausgefallenen Liquiditätslinien hätten. Eine Streuung auf mehrere Banken erwies sich hier als erfolgreich.
Nach dem jetzigen Stand rechnet Capital Dynamics nicht mit größeren Verlusten in Venture-Fonds wie dies in der Technologiekrise der Fall war. Die realwirtschaftliche Lage habe sich bisher nicht sonderlich verschlechtert. Die Unternehmen hätten geringere Fremdkapitalanteile als in den 80er und 90er Jahren, und verfügten zudem über gute EBIT/Interest Expense Ratios. Es werden zwar Wertkorrekturen, jedoch keine größeren Verluste erwartet.
Mittelfristig könnte sich die Krise für die Private-Equity-Branche sogar positiv auswirken. Besonders im Distressed Debt Segment böten sich Gelegenheiten aufgrund der Tatsache, dass viele institutionelle Anleger ihre Bilanzen von geringerwertigen Kreditrisiken befreien müssten. Doch auch durch den Abschwung allgemein böten sich wieder gute Gelegenheiten für M&As. Hier erwarten die Autoren attraktive Renditen innerhalb der nächsten 12 - 18 Monate. Aufgrund des Mangels an Fremdkapital müssten diese Transaktionen allerdings verstärkt über neue Finanzierungsquellen und Eigenkapital getragen werden. Für die kommenden Jahre rechnen die Autoren mit einer Outperformance von 3% - 6% über den Aktienmärkten.