Faktormomentum: Monats- vs. Jahres-Ansätze
Faktormomentum, also das Konzept, dass Faktorrenditen dazu tendieren, sich in der Folgeperiode in gleicher Richtung fortzusetzen, wird von Kritikern als eine Folge der Fokussierung auf Faktoren mit positiven Langfristdurchschnitten bezeichnet und weniger ein tatsächlicher Momentum-Effekt. Mikael Rönkkö (University of Eastern Finland) und Joonas Holmi (Aalto University) untersuchen, ob Faktormomentum mit einem Ein-Monats-Formationsfenster im Gegensatz zu den üblichen Ein-Jahres-Ansätzen robust, profitabel und eigenständig ist. Verwendet werden monatliche US-Daten zu 138 Faktoren im Zeitraum 1963 bis 2024. Für das Ein-Monats-Faktormomentum wird ein statistisch signifikantes Alpha festgestellt, das nicht durch eine Strategie erklärt wird, die dauerhaft Long-Positionen in Faktoren mit positivem langfristigem Durchschnittsertrag und Short-Positionen in Faktoren mit negativem langfristigem Durchschnittsertrag hält (quasi-Statische Strategie). Umgekehrt erklärt Ein-Monats-Faktormomentum die Renditen der quasi-statischen Strategie nicht. Für Zwölf-Monats-Faktormomentum zeigt sich hingegen, dass dessen Renditen von der quasi-statischen Strategie subsumiert werden und kein signifikantes Alpha verbleibt. Sobald der letzte Monat aus dem 12-Monats-Fenster entfernt wird, verschwindet der Effekt vollständig bzw. wird negativ.

Quelle: Rönkkö, Holmi, 2025
Mit Ein-Monats-Formationsfenster zeigen rund 39% der Faktoren signifikante Renditefortsetzung, gegenüber rund 20% beim Zwölf-Monats-Ansatz. Auch beim Sechs-Faktoren-Alpha ist der Anteil signifikanter Faktoren beim Ein-Monats-Ansatz deutlich höher als beim Zwölf-Monats-Ansatz. Das Ein-Monats-Faktormomentum weist eine mehr als doppelt so hohe durchschnittliche Autokorrelation auf wie das Zwölf-Monats-Faktormomentum.

Quelle: Rönkkö, Holmi, 2025
Zuletzt wird die Profitabilität von Faktormomentum-, Buy-and-Hold- und quasi-statischen Strategien verglichen. Das Ein-Monats-Faktormomentum erzielt höhere Renditen und Sharpe Ratios als die anderen Faktormomentum-Varianten, wobei der Großteil der Rendite als Alpha ausgewiesen wird. Zudem wird gezeigt, dass Ein-Monats-Faktormomentum sowohl Buy-and-Hold- als auch quasi-statische Strategien zeitlich differenzieren kann, während der Zwölf-Monats-Ansatz geringere Timing-Eigenschaften zeigt.
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