26.07.2016 | Märkte

EZB-Gremium: Energiewende birgt Risiken für Finanzmarktstabilität

Der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB), ein Gremium der Europäischen Zentralbank, untersucht in einem Forschungspapier Ende Februar die Gefahren, die von einer verzögerten Energiewende auf die Marktstabilität ausgehen. Sie unterscheiden zwei Szenarien. Das ideale Szenario sieht einen graduellen Ausstieg aus kohleintensiven Energieträgern vor, wodurch Preisanpassungen langsam stattfinden und keine systemischen Risiken verursacht werden. Im zweiten, adversen Szenario wird ein Umstieg dagegen spät und abrupt ablaufen. Hier gibt es drei Kanäle, die systemisches Risiko erhöhen. Erstens wirkt sich ein schneller Wechsel auf alternative Energiequellen negativ auf das Wirtschaftswachstum aus, da das Angebot noch nicht ausreicht die volle Energienachfrage zu decken, erläutern die Autoren. Zweitens laufen Versicherer Gefahr bei einer steigenden Anzahl und Frequenz von Naturkatastrophen großen Verbindlichkeiten gegenüber zu stehen.


Quelle: ESRB

Drittens steigt die Gefahr von Stranded Assets, wenn kohleintensive Vermögensgegenstände abrupt an Wert verlieren. Der ESRB schätzt, dass rund 5 % der Anlagen europäischer Pensionsfonds ein direktes Exposure zu Öl- und Gasprozenten aufweisen. Im Falle eines langsamen Ausstiegs aus diesen Technologien drohen Verluste zwischen 350 und 400 Mrd. Euro. Unklar ist, welche Zweitrundeneffekte drohen, wenn eine Preisanpassung beispielsweise in einem Umfeld hoher Marktvolatilitäten stattfindet. Zur Vermeidung des Klimawandels ist eine Neupreisung kohleintensiver Assets jedoch unerlässlich, heben die Autoren vor. Die Geschäftsmodelle in Transport, Fertigung, Produktion, Landwirtschaft und Immobilien basieren vielfach auf langlebigen Gütern, deren effiziente Nutzung billige Energieversorgung voraussetzt. Ein abrupter Energiepreisanstieg würde energieintensive Kapitalgüter schnell obsolet machen, erklären die Autoren. Die Institute im Finanzsektor mit hohem Exposure zu diesen Assets würden entsprechende Verluste hinnehmen müssen.


Quelle: ESRB

Der ESRB rät daher dazu, das Berichtswesen im Industriesektor stärker auf den Aspekt der Kohlenstoffintensität auszurichten. Anhand dieser Daten könnte das Exposure des Finanzsektors gestresstestet werden und würde so zur Markttransparenz beitragen und das systemische Risiko durch niedrigere Überraschungseffekte reduzieren. Auch Investoren sollten stärker hinterfragen, welche Kapitalgüter durch ihre Fremd- und Eigenkapitalbeteiligungen finanziert werden und welchen klimawandelbezogenen Risiken diese unterliegen.

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