Europäische Private-Equity-Branche analysiert Leistungsspektrum und Regulierungsvorschläge
Die Europäische Private-Equity-Branche hat kürzlich einen Bericht veröffentlicht, in dem sie ausführlich (300 Seiten) gegenüber den Regulierungsplänen der Europäischen Union Stellung bezieht. Damit möchte die Branche einerseits die volkswirtschaftlich bedeutende Rolle von Private Equity bei der Bereitstellung von Wagniskapital und der Finanzierung von Innovationen unterstreichen. Andererseits will sie durch eine aktive Beteiligung bei der Erstellung eines Regulierungskonzepts die Zukunftsfähigkeit der europäischen Private-Equity-Branche sichern.
Der Bericht wurde von einer 30-köpfigen Task Force verfasst und betont die Bedeutung von Private Equity bei der Überwindung der Krise. Die langfristig angelegte Bereitstellung von Kapital, von der Gründung bis zur Restrukturierung, in Kombination mit einer aktiven Beratung des Managements, helfe Beschäftigung zu sichern und Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit voranzutreiben. Gleichzeitig räumt die Branche Versäumnisse ihrerseits ein. So habe man in der Vergangenheit die Vorteile des Geschäftsmodells für Wirtschaft und Gesellschaft nicht ausreichend und überzeugend kommuniziert.
Die Branche weist den Vorwurf systemdestabilisierenden Verhaltens von sich, da dies durch die Form der Finanzierung und die bereits vorhandene Regulierung auf nationaler und europäischer Ebene ausgeschlossen sei. Man habe vielmehr ein Interesse an funktionierenden Kapitalmärkten, da diese die notwendigen Exit-Kanäle bereitstellten. Darüber hinaus grenzt sich die Branche stark von Hedgefonds ab. Private Equity sei im Gegensatz zu Hedgefonds durch langfristige Bindungen und Mehrheitsbeteiligungen gekennzeichnet. Auch sei der Leverage-Grad wesentlich geringer.
Die EU hatte zuvor im Oktober 2008 im Zuge der Verwerfungen an den Finanzmärkten und dem Beginn der schweren Rezession eine Resolution bezüglich der Regulierung von Hedgefonds und Private Equity verabschiedet. Eine künftige Regulierung müsse demnach die Feinheiten der Branche erkennen und Berücksichtigen, da sich Private Equity in verschiedene Bereiche untergliedere und wesentliche Unterscheidungsmerkmale zu anderen Alternative Investments aufweise. Europaweit einheitliche Standards sollten aus einem Code of Conduct, aus Corporate-Governance-Regeln, Reporting Guidelines, Bewertungsregeln sowie Transparenz- und Offenlegungsvorschriften bestehen. Weiterhin könne ein Gremium bereitgestellt werden, das für die Einhaltung dieser Standards zuständig ist.