03.05.2016 | Research

EU-Programme steigern Attraktivität von Infrastruktur-Investments

Der Investitionsbedarf im Infrastruktursektor liegt weltweit bei 1 Billion USD. Ausgehend von diesem Finanzierungsbedarf haben Nadine Gatzert und Thomas Kosub von der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg in einem Forschungspapier von Februar 2016 die Barrieren und Möglichkeiten von Infrastrukturinvestments aus Sicht der Versicherungsunternehmen untersucht. Es werden insbesondere die Kapitalanforderungen unter Solvency II berücksichtigt, die durch die EIOPA im Herbst 2015 konkretisiert wurden. Darauf aufbauend wird der Einfluss politischer Förderprogramme, die zu einer Minimierung der Barrieren beitragen sollen, analysiert. Zu den Programmen zählen die "EU2020 Project Bond Initiative" (EU2020) und die "Investment Plan for Europe Initiative".

Die Autoren identifizieren zwei Hauptbarrieren. Als erste Barriere werden fehlende Anlagevehikel sowie das Fehlen transparenter und verfügbarer Daten genannt. Regulatorische Beschränkungen stellen die zweite Barriere für Infrastruktur-Investments dar. Die Kapitalanforderungen nach Solvency II betragen beispielsweise bis zu 49 %. Hier können die Förderprogramme erfolgreiche Unterstützung leisten, so die Autoren. Zum Beispiel wurde durch die EU2020 ein European Fund for Strategic Investment (EFSI) aufgelegt, in dem  2.000 europäische Projekte mit einem Investmentvolumen von 1,3 Billionen Euro abgedeckt sind. Dadurch konnten die Kapitalanforderungen nach Solvency II für einige Assets verringert werden. Über das European Investment Project Portal (EIPP) wurden außerdem relevante und transparente Informationen der Projekte zur Verfügung gestellt. 


Quelle: Gatzertz und Kosub (2016)

Trotz der positiven Effekte vermerken die Autoren, dass auch in den über das EU2020 aufgesetzten Projekten riskante Investments beinhaltet sein können. So werden beispielsweise PPP-Projekte vor dem Credit Enhancement mit einem BB+ oder BB- bewertet.


Quelle: Gatzertz und Kosub (2016)

Außerdem sollten Versicherungsunternehmen oder Pensionsfonds Risiken, wie beispielsweise Projektmisserfolge während der Umsetzungsphase, beachten. Die Autoren weisen ebenso darauf hin, dass die finanzierten Projekte der EU2020 zwar von politischem Interesse, aber nicht zwingend wirtschaftlich interessant sind und gleichzeitig politischen und regulatorischen Risiken unterliegen.

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