19.08.2025 | Research

ESG-Ratings und tatsächliche Umweltleistung

Ein Team um Sebastian Utz von der Universität Augsburg hat den Zusammenhang von ESG Scores und dem Risiko von Greenwashing bei europäischen Unternehmen untersucht. Das Sample umfasst 848 europäische Unternehmen im Zeitraum 2015 bis 2023. Unterschieden wird zwischen scheinbarer (AP) und realer Umweltleistung (RP) unterschieden. AP wird durch weiche Indikatoren wie z.B. Emissionsziele gemessen, RP durch harte Metriken wie Emissionen und Umweltvorfälle. Eine Regressionsanalyse zeigt, dass AP mit höherem Greenwashing-Risiko einhergeht, während RP dieses Risiko reduziert. Interessant ist die Entwicklung der scheinbaren und realen Umwelt-Performance im Zeitverlauf: Während die durchschnittliche reale Umweltleistung über den gesamten Zeitraum weitgehend stabil blieb, stieg die scheinbare Umweltleistung um etwa 40 %. Das bedeutet: Obwohl sich die tatsächlichen Umweltauswirkungen kaum verändert haben, hat die Kommunikation der Unternehmen über ihre Umweltstrategien deutlich zugenommen.


Quelle: Kathan, Utz, Dorfleitner, Eckberg, Chmel, 2024

Im nächsten Schritt untersuchen die Autoren die paarweise Korrelation zwischen ESG-Scores und den im Modell geschätzten AP- und RP-Werten. ESG-Scores korrelieren unabhängig vom Anbieter vor allem mit der scheinbaren Umweltleistung, nicht mit der tatsächlichen. Dies legt nahe, dass ESG-Scores nicht als verlässlicher Indikator für reale Umweltwirkungen dienen. Im Gegenteil: hohe ESG-Scores könnten ein erhöhtes Greenwashing-Risiko anzeigen. 


Quelle: Kathan, Utz, Dorfleitner, Eckberg, Chmel, 2024

Eine stärkere Analystenabdeckung reduziert die Differenz zwischen kommunizierter und realer Umweltleistung. Dieser Effekt ist besonders ausgeprägt bei emissionsintensiven oder kleineren Unternehmen sowie in umweltkritischen Branchen. Analysten übernehmen somit eine Kontrollfunktion, die Greenwashing entgegenwirkt, indem sie die Informationsasymmetrie zwischen Unternehmen und Marktteilnehmern verringern.


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