04.11.2013 | Studie

Entwicklung des Marktes für Infrastruktur-Projektanleihen

Der Markt für langfristige Projektfinanzierungen ist gekennzeichnet durch eine kleine Anzahl von Banken, die im Wettbewerb um attraktive Investmentopportunitäten einer großen Gruppe anderer Investoren, wie Versicherungen, gegenüberstehen. Die Vorteile von Projektfinanzierungen liegen in Illiquiditätsprämien, höheren Recovery Rates im Falle eines Defaults und Diversifikationsaspekten begründet. Daneben spielt auch der oftmals langfristige Charakter der Verbindlichkeiten vieler Investoren eine Rolle, welcher gut zum Auszahlungsprofil derartiger Investments passt. Angesichts der wachsenden Bedeutung von Infrastrukturinvestments für institutionelle Investoren identifizieren die Autoren Michaela Bariletti und Michael Wilkins von Standard & Poor’s in ihrer aktuellen Studie zehn Faktoren, die für eine gesunde Entwicklung des Sektors wichtig erscheinen.


Quelle: Standard & Poor‘s

Zunächst ist es erforderlich, die Prozesse und Strukturen, die solchen Investments zugrunde liegen, stärker zu vereinheitlichen - nicht nur auf nationaler, sondern vor allem auf länderübergreifender Ebene. Dazu sollte auch das regulatorische Umfeld die Voraussetzungen schaffen, dass die Investoren dazu angehalten werden, zunehmend in Projektfinanzierungen einzusteigen. In diesem Zusammenhang wird negativ auf Solvency II verwiesen, dessen Regelwerk Projektfinanzierungen gegenüber Unternehmensanleihen benachteiligt. Angesichts des langfristigen Charakters solcher Investments ist die Minimierung politischer und regulatorischer Risiken von höchster Bedeutung. Daneben müssen die Projekte umfangreichere Informationen bereitstellen und sich transparenter aufstellen, um damit den Investoren die Möglichkeit einer fundierten Entscheidung zu eröffnen. Neben weiterhin geringen Ausfallraten kann die Bonität und damit Attraktivität der Projekte auch durch zusätzliche Standby-Liquiditätslinien oder aber Maßnahmen zur Verringerung des Baukosten- bzw. Neubaurisikos, welches mit der Komplexität des Baus steigt, erhöht werden.

Vor dem Hintergrund des geringen Zinsniveaus sind Projektfinanzierungen mit einer Rendite um 5,0-6,5 % für die Investoren deutlich attraktiver als Staatsanleihen mit einem vergleichbaren Rating, die bei 4,0-5,0 % rentieren. Hier muss auch berücksichtigt werden, dass Projektanleihen über höhere Recovery-Rates verfügen als Unternehmensanleihen; ein Umstand, der durch die Stellung von Kreditsicherheiten  und entsprechende Vertragsgestaltungen begünstigt werden kann. Zuletzt kann auch eine Vergrößerung des Marktes und damit einhergehend eine höhere Liquidität dazu führen, weitere Investoren anzulocken.

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