Entwicklung der Kreditfähigkeit der Euro-Länder
Die Euro-Krise ist noch nicht vorbei, mahnt das Centrum für europäische Politik (CEP) in einem umfassenden Jahresupdate zum CEP-Default-Index. Dieser Index erfasst die Entwicklung der fundamentalen Kreditfähigkeit des Staates. Er setzt sich zusammen aus der Summe des gesamtwirtschaftlichen Finanzierungssaldos (GFS), also dem Auslandskreditbedarf einer Volkswirtschaft, und dem Niveau der kapazitätssteigernden Investitionen, zu denen der Wohnungsbau beispielsweise nicht dazu gezählt wird. Länder mit Leistungsbilanzüberschuss (positiver GFS) exportieren Kapital, benötigen also keine Netto-Auslandskredite und sind daher weniger insolvenzgefährdet. Aus der Entwicklung über mehrere Perioden teilt der Index die analysierten Staaten in vier Risikokategorien, die nicht die absolute Kreditfähigkeit messen, sondern deren Tendenz.
Quelle: CEP
Zwar seien die Symptome der Euro-Krise gelindert, der Virus selbst aber noch nicht besiegt, schreiben die Autoren. Im Kern der Krise stehen Leistungsbilanzdefizite zwischen Nord- und Südländern, die ohne die Möglichkeit der Abwertung der eigenen Währung sukzessive zu einem Auseinanderdriften der Wettbewerbsfähigkeiten geführt haben. Entsprechend stehen Deutschland, Österreich, Estland und die Niederlande in der ersten Risikokategorie (grün) mit zunehmender Kreditfähigkeit, aber auch Irland wird in Risikokategorie 1 geführt und befindet sich auf einem verbesserten Wachstumspfad.
Quelle: CEP
In Kategorie 2 mit unbestimmter Entwicklung der Kreditfähigkeit (gelb) stehen Frankreich und Finnland. Spanien und Großbritannien werden mit abnehmender Kreditfähigkeit in Kategorie 3 (rot) geführt. Eine verfestigte abnehmende Kreditfähigkeit (rot) belegt der Index für Italien, Portugal, Zypern und Griechenland. Auch die USA finden sich aufgrund ihrer Netto-Kapitalimporte in der letzten Kategorie wieder.