24.05.2022 | Research

Emissionszertifikate zur Portfolioabsicherung

Im Zuge des Klimawandels wurden verschiedene CO2-Handelsplätze etabliert, um dazu beizutragen, die Emissionen durch eine Erhöhung des Preises zu senken. Mittlerweile haben auch Investoren Futures auf CO2-Zertifikate als Anlageinstrument entdeckt. Ob deren Einsatz im Portfoliokontext einen Nutzen hat, wurde in einem kürzlich erschienenen, nicht begutachteten Research Paper analysiert. Der Fokus der Arbeit lag auf den Absicherungseigenschaften von CO2-Zertifikaten, um Verlustrisiken am Aktienmarkt zu reduzieren.

Für ihre Analysen berechnen die Autoren zunächst optimale Hedge Ratios und Gewichte für die Futures auf CO2-Zertifikate. Auf Basis dynamischer Korrelationsmodelle berücksichtigen sie dabei auch die zeitvariablen Eigenschaften von CO2-Zertifikaten gegenüber anderen Anlageklassen. In der Folge berechnen sie zudem Portfoliorenditen und den Nutzenzuwachs im Vergleich zu ungesicherten Aktienportfolios. Der IHS Markit Global Carbon Index dient dabei als Proxy für die Entwicklung des CO2-Preises, Aktienmärkte werden durch entsprechende MSCI- und Nasdaq-Indizes repräsentiert.

Im Ergebnis zeigte sich, dass CO2-Zertifikate über den gesamten Zeitraum betrachtet günstige Absicherungsinstrumente gewesen sind. Die optimalen Hedge Ratios lagen zwischen 0,058 und 0,116. Die Absicherung einer Aktienposition in Nordamerika hätte pro investiertem Dollar 9,3 Cents gekostet und für asiatische Aktien nur 5,8 Cents. Bereits Investments in geringem Umfang können Aktienmarktrisiken erheblich reduzieren, da die optimalen Portfoliogewichte der CO2-Futures je nach Markt zwischen 18 % und 23 % lagen. Für eine Absicherung mittels Rohstoffen wäre hingegen ein Portfolioanteil von 40-50% optimal gewesen. In der Summe hätte sich das Portfoliorisiko, gemessen anhand der Varianz, wie im Falle des Nordamerika-Beispiels durch eine Short-Position in den Futures, um 21 % vermindern lassen. Allerdings wären Agrarrohstoffe und Edelmetalle noch effektivere Absicherungsinstrumente gewesen.

Abbildung: Optimale Hedge Ratios unterschiedlicher Absicherungsinstrumente

Quelle: Demiralay et al. (2022)

Allerdings waren die optimalen Hedge Ratios, Portfoliogewichte und auch die Effektivität sehr variabel und stark vom jeweiligen Marktumfeld abhängig. So zeigte sich, dass CO2-Zertifikate insbesondere vor Ausbruch der Corona-Pandemie ein effektiver und kostengünstiger Schutz waren, was sich infolge der Corona-Pandemie jedoch geändert habe, da die Absicherungskosten gestiegen und die Effektivität gesunken seien.

Betrachtet man nicht nur die Eigenschaften von CO2-Zertifikaten zur Absicherung, sondern auch deren Wert als Anlage- und Diversifikationsinstrument, zeigte sich, dass sich durch CO2-Zertifikate die risikoadjustierten Renditen eines Aktienportfolios steigern ließen. Während die Sharpe Ratio eines Aktieninvestments in Nordamerika in dem Untersuchungszeitraum bei 0,55 lag, stieg diese durch den Einbezug von CO2-Zertifikaten auf 0,69.

Portfoliorenditen unter Einbezug von CO2-Zertifikaten

Quelle: Demiralay et al. (2022)

 

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