Einfluss des Länderrisikos auf Refinanzierungsfähigkeit des Bankensektors
Ein im Juli veröffentlichtes Arbeitspapier der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) untersucht den Einfluss von öffentlichem Kreditrisiko auf die Finanzierungskosten des Bankensektors. Das Autorenteam, das von Fabio Panetta von der Bank of Italy angeführt wurde, analysiert vor dem Hintergrund der sinkenden Kreditwürdigkeit einiger Staaten der Eurozone die adversen Effekte auf die Kapital- und Finanzmärkte. Zwar sind die Auswirkungen in anderer Richtung - also vom Bankensektor auf das Länderrisiko - teilweise beträchtlich, dennoch entwickelt eine sinkende staatliche Kreditwürdigkeit schnell eine Eigendynamik, die die Probleme des Bankensektors letztlich verstärkt.
Quelle: BIZ (2011)
Die Autoren leiten vier mögliche Ansteckungskanäle für die Refinanzierungsfähigkeit von Kreditinstituten her. Erstens gehören Banken zu den Hauptgläubigern öffentlicher Schuldner, eine sinkende Kreditwürdigkeit schwächt daher direkt ihre Bilanzen. Zweitens führen fallende Bondpreise zu sinkenden Bewertungen der Collateral Pools der Banken, in der Folge sinkt die Liquidität des Repo-Marktes und Margin Calls könnten ausgelöst werden.
Quelle: BIZ (2011)
Drittens erhöhen Downgrades der Ratingagenturen direkt die Finanzierungskosten. Darüber hinaus kann eine Abwertung des Staates auch eine Rating-Abwertung der Bank selbst auslösen. Viertens steigen die Finanzierungkosten für systemrelevante Banken, weil die explizit oder implizit durch den Staat gegebene Garantie an Wert verliert.
Die Autoren schlussfolgern, dass Investoren neben der reinen Kreditwürdigkeit vor allem den Gerichtsstand der Bank bewerten. Zudem hat die Krise gezeigt, dass als risikolos eingestufte Staatsanleihen nicht zu jeder Zeit so liquide und risikolos sind, wie vermutet. Für die Regulierung des Sektors ist es daher wichtig den traditionellen Fokus auf das individuelle Ausfallrisiko um die Wechselwirkung zwischen Banken- und öffentlicher Zahlungsfähigkeit zu erweitern.