Eigenschaften von Infrastrukturinvestments in institutionellen Portfolios
Von Tobias Dechant und Konrad Finkenzeller von der Universität Regensburg erschienen um den Jahreswechsel zwei wissenschaftliche Arbeiten über die Integration direkter Infrastrukturinvestments in Portfolios institutioneller Investoren. Als Proxy für Infrastruktur dient ein transaktionsbasierter Index aus den USA zwischen 1990 und 2010, der 930 Projekte von 135 Investoren enthält.
In der Arbeit "The Role of Infrastructure Investments in a Multi-Asset Portfolio - Answers from Dynamic Asset Allocation" untersuchen die beiden Autoren mittels Mean-Variance- und Mean-Downside-Risk-Optimierungen die Veränderungen der Portfolioeigenschaften bei der Hinzunahme von Infrastrukturinvestments. Demnach sind diese Investments besonders in Portfolios mit geringem bis mittleren Risiko vertreten, bei langem Zeithorizont auch in Portfolios mit hohen erwarteten Renditen. Langfristig eignet sich Infrastruktur außerdem zur Reduzierung des Downside-Risikos.
Infrastrukturinvestments weisen eine hohe Ähnlichkeit mit Large-Cap-Aktien auf, daher reduziert ein hoher Anteil an Large Caps den effizienten Portfolioanteil von Infrastruktur. Kaum Ähnlichkeiten gibt es hingegen mit Immobilien. Diese beiden Anlageformen der Kategorie Real Assets sollten daher getrennt betrachtet werden.
Quelle: Dechant, Finkenzeller (2012)
"Infrastructure Investments in a Multi-Asset Portfolio - A Drawdown Risk Perspective" beschäftigt sich speziell mit einem Optimierungsalgorithmus für den Conditional Drawdown at Risk (ein kombiniertes Konzept aus der Messung von Drawdowns und dem Conditional Value at Risk). Für verschiedene Portfolios und Restriktionen, angelehnt an die Situation von Investoren, wird die Optimierung durchgeführt. Wie in der vorher dargestellten Arbeit, zeigen besonders Portfolios mit niedrigen und mittleren Renditen eine relativ hohe Allokation in Infrastrukurinvestments.
Des Weiteren bilden sie gegenüber Pensionsverpflichtungen zwar keinen geeigneten Hedge, dafür aber gegen Downside-Risiken in den Aktienmärkten.
Quelle: Dechant, Finkenzeller (2011)
Da sowohl in den Industrienationen, als auch in den Schwellenländern in den nächsten Jahrzehnten eine massive Finanzierungslücke zwischen öffentlichen Haushalten und benötigten Investitionen liegt, bieten sich institutionellen Investoren zahlreiche Investmentgelegenheiten in den Infrastruktursektoren. Attraktiv für Investoren sind vor allem die stabilen Cash Flows aus diesen Investments, verbunden mit einer relativ geringen Korrelation zu anderen Asset-Klassen. Viele Investoren beklagen noch einen Mangel an eigenen Kenntnissen zur Umsetzung solcher Investments. Die beiden Arbeiten stellen Optimierungsmethoden und Eigenschaften für Portfolios mit Infrastrukturinvestments vor und können somit dazu beitragen, diese Lücke zu füllen.
Beachten Sie hierzu auch die Artikel "Risiken bei Infrastrukturinvestitionen" von Florian Bitsch, Prof. Dr. Christoph Kaserer und Christoph Rothballer sowie "Infrastrukturinvestments – Zugangswege über Eigen- und Fremdkapital" von Prof. Dr. Jens Kleine im aktuellen <link absolutreport ausgaben _blank external-link-new-window external link in new>Absolut|report 1|2012.